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Ich weise aber aus gegebenem Anlass darauf hin, dass jeder Interessent sich vorab im Netz über
Druckkosten-Zuschuss-Verlage (DKZV) informieren sollte, die lediglich darauf abzielen, für viel Geld
die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 226 mal aufgerufen
 Allgemeines
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 8.748

06.10.2014 10:05
Herr Heun und Random House Zitat · antworten

Hans-Dieter Heun
via facebook

Schriftsteller und Verlage, die fast reine Wahrheit

Als Schriftsteller, Beruf Fabulator, bist du der Depp. Jedenfalls stehst du in der Hierarchie der Produzierenden geistiger Nahrung, ähnlich dem ehrlichen Bauern bei echt Abbeißbarem, auf unterster Stufe. Nein, nicht einmal Stufe, Vorstufe, Boden, Sockel oder wie man den Platz vor einer Treppe auch immer nennt.
Eine Stufe – die du als Schriftsteller jedoch noch nicht erklommen hast – ist ein Steigungselement. Jeder auf den Stufen über Dir, vom Verlagshausmeister bis zu dem auf oberster Stufe, dem Himmel so nahe, sich befindenden Verleger, nutzt den Sinn einer Treppe in ihrer ureigenen Funktion: nämlich den eine Stufe unter ihm Stehenden spüren zu lassen, dass er niedriger ist.
Das ist so und beginnt bereits bei der vom Autor versuchten Kontaktaufnahme: fast unüberwindbare Hürden. – Nun ja, außer man ist prominent, dann findet man gnädige Aufnahme. Politiker zum Beispiel, wenn man in dieser Funktion zumindest einmal einen wichtigen, gar folgenschweren Satz ausgesprochen hat. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ Stammt von einem rauchenden Altbundeskanzler. Schriftsteller haben allerdings Visionen … wenigstens manchmal.
Ehemalige Sportler besitze ebenso noch Chancen: „Als ich im Gefängnis saß, habe ich mich mit all diesen tiefsinnigen Büchern beschäftigt. Diesem Tolstoi-Mist. Die Leute sollten sowas nicht lesen.“ Mike Tyson.

Weiß der Kuckuck, welch satanischer Geist mich geritten hatte, jedenfalls dachte ich aufgrund eines meinen ultimativen Liebesroman ‚Die Läusekönigin`‘ äußerst lobenden Artikels auf der Literaturseite einer führenden Tageszeitung, ich hätte bereits eine Stufe zum Himmelreich erklommen und dürfte die zweite angehen: einen größeren Verlag, nein, gleich den größten, Random House. Kurz, mit dem Brustton meiner inneren Überzeugung rief ich bei der Kontakttelefonnummer an, fand auch ein freundlich geneigtes menschliches Ohr: „Ach, Sie sind der Autor dieses himmlischen Werkes? … Ja, wir haben es alle mit dem größten Vergnügen gelesen und uns gefragt … Toll, Sie wollen wahrhaft mit uns zusammen publizieren? … Nein, wir fühlen uns ob dieser Ehre mehr als geschmeichelt … Bitte, darf Ihnen die richtige E-Mail Adresse geben, das zuständige Lektorat wird sich sicherlich sogleich bei Ihnen melden.“

Die gewünschte E-Mail wurde von mir perfekt formuliert und noch am Abend der Kontaktaufnahme abgesandt. Für mich nach diesem Vorgespräch keine Überraschung, bereits am nächsten Morgen war Antwort im Postfach: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir bedanken uns herzlich für Ihre E-Mail und werden Ihre Anfrage so schnell wie möglich bearbeiten.“ Ich bin zwar kein Chor schreibender Damen und Herren, trotzdem war ich entzückt. Random House hatte doch extra für mich ganz allein eine automatische Antwort eingerichtet. Selbst als ich nach etwa vier Wochen noch nichts Weiteres von Random gehört oder gelesen hatte, war ich keineswegs enttäuscht. Ganz im Gegenteil spürte ich in meinen Innersten eine leicht zu verstehende Sehnsucht, war doch in diesem einen automatischen Satz Trost, der Schriftstellerseele schmeichelnd, eine Wertschätzung, eine Treppenstufe höher angesiedelt, etwas wie nie zuvor von einem anderen Verlag erfahren.
Ich, Einsiedler im finstersten Wald wollte mehr davon, mehr Anerkennung meiner bisherigen Leistung, setzte mich hin und antwortete meinerseits der Automatik: „ Liebe Verlagsstimme … und darf ich dich Autole nennen? Gut, ich wollte dich nur kurz wissen lassen, wie sehr ich dich schätze, doch wie sehr ich auch gelitten, weil ich während der letzten Wochen keine weitere Nachricht von dir bekommen habe. Liebe Grüße, dein Dieter.“

Es klappte, erneut: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir bedanken uns …“

Freude schöner Götterfunken, ich hatte eine Beziehung: „Liebstes Autole, wenn wir uns irgendwann einmal persönlich unterhalten werden, ich verspreche es dir, möchte ich dir selbstgemachte Stachelbeerenmarmelade auf Zwieback zu Pfefferminztee aus meinem Garten servieren. Dieser Tee wächst gleich neben meinem Grünkohl und besitzt daher ein unvergleichliches Aroma. Doch für dich ist mir wahrhaft nichts zu schade!“

„Sehr geehrte Damen und Herren, wir beda …“

In den folgenden Tagen und Wochen tauschte ich mich mit Autole über alle Themen aus, über die sich eine Mann nur mit einer Automatik auszutauschen vermag: Politik, den Duselbrüdern von Bayern München, Stromerzeugung aus Gülle, selten über Literatur, dafür immer mehr über sexuelle Vorlieben. Es war schier erstaunlich, was Autole selbst auf diesem speziellen Gebiet automatisch draufhatte: „Meine Damen und Herren …“ Eindeutig, bisexuell mit Neigung für Rudelbumsen.

Heute am frühen Morgen wagte ich endlich, meine heiße Liebe einzugestehen: „Ich bin rein, mein Herz ist klein, soll niemand drin wohnen, als du, mein Autole, ganz allein. Auch nicht Random House und andere missgünstige Verleger.“
Zwei Stunden später klingelte es an der Hoftür, ich öffnete. Eine seltsam mechanische Gestalt in einem schwarzen Umhang gehüllt stand vor mir: „Herr Heun? Sind Sie der Schriftsteller Hans-Dieter Heun?“ Doch als ich mit klopfendem Herzen nickte – man kennt, erkennt mich! –, zog Autole einen Revolver aus dem Umhang und erschoss mich. – Rache von Random House, für Verleger auf der Treppe des Wichtigen ganz oben.

Nein, gelogen. Der letzte Absatz war nur eine Vision … die ich nach der Aussage jenes Politikers nicht haben dürfte. Gleich morgen gehe ich zum Arzt.

Ganz ehrlich, seit etlichen Wochen betreibe ich dieses Spiel und bin gespannt, ob irgendwann ein normales menschliches Wesen überhaupt einmal diese E-Mails liest. Oder ob einen andere Automatik meinen Gesprächspartner kontrolliert und möglicherweise automatisch befiehlt: „Sehr geehrtes Autole, hier musst du was unternehmen!“

Liebe ähnlich Behandelte, bei Gefallen bitte teilen. Rache des armen Poeten.

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Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 8.748

06.10.2014 10:06
#2 RE: Herr Heun und Random House Zitat · antworten

Viele gute Autoren gehen aufgrund dieser Erfahrungen den Weg des Selfpublishing. Und scheitern natürlich grandios wegen fehlender Vertriebswege und einer ebenso fehlenden Marketingstrategie. Da kann das Buch noch so gut sein, irgendwann wird es der verzweifelte Autor für 99 Cent als E-Book bei amazon verteiben und wochenlang die wenigen Leser mit der Werbe-Gratisversion beglücken, bis....
Ja, bis der Wahnsinn ihn packt und er, eingehüllt in ein weißes Jäckchen mit zu langen Ärmeln sein Dasein in irgendeiner gepolsterten Suite eines Hotels mit vergitterten Fenstern bis zu seinem Ende fristen wird. Und wenn er nicht gestorben ist, verflucht er alle Verlage der Welt bis heute....

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Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

Jenny Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 1.151

08.10.2014 12:53
#3 RE: Herr Heun und Random House Zitat · antworten

Mmhh ... Ich dachte immer Random House wäre etwas näher am Autor, immerhin ist eine riesige Verlangsgruppe. Gerade hat eine Autorenfreundin bei Random House unterschrieben.

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