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Faszination Wasser
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die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


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 Kurzgeschichten
Gini Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 464

18.11.2014 11:37
Der Laternenumzug Zitat · antworten

Der Laternenumzug
© Gini P. 12.11.2014

Ein spannendes Buch hielt mich in seinem Bann als mich die feuchte Nase meines Hundes Max leicht berührte. Es war seine Art mir zu sagen, dass seine Hunderunde überfällig war. Draußen war es bereits dunkel und ich war dankbar über diese zarte Aufforderung. Wäre es eilig gewesen, hätte er mir meine Schuhe in den Schoss oder vor mich hingeworfen.

Ich erhob mich aus meinem bequemen Sessel und streichelte ihm über sein Köpfchen, zog mich schnell an und holte sein Halsband vom Haken, Anlass für Max, sich wie immer im Hochsprung zu üben. Auch sein Mitteilungsbedürfnis in Hundelauten ist in solchen Momenten kaum zu bändigen.

Für die Runde über die Felder war es bereits zu dunkel, sodass ich die Richtung zum Ortskern wählte. Anstatt der vielen Lichter, die sonst die Häuschen erhellten, empfing mich ungewohnte Dunkelheit in der Siedlung. Kaum ein Licht schien aus den Fenstern und selbst der Schein der Straßenlaternen erschien mir dunkler als sonst. Ein Schauer lief mir über den Rücken und auch Max fühlte wohl mein Unbehagen. Eilig gingen wir den Fußweg zur Ortsmitte und Max ignorierte sogar seine Lieblingsstellen, an denen er sich sonst lange aufhalten konnte und lief brav neben mir.

Wir ließen die dunkle Siedlung hinter uns und näherten uns unserem Ziel, als leise Musik an mein Ohr drang. Ich folgte den Klängen, die mich zu einem warmen Lichtermeer führten, von dem die Kirche umgeben war. Die beängstigende Dunkelheit lag hinter uns. Autos, die an der Kreuzung warteten, standen still und die Motoren waren ausgestellt. Nachbarn begrüßten mich flüsternd und gaben sich dann wieder der Idylle dieser faszinierenden Szenerie hin.

Menschen mit ihren Kindern kamen aus der Kirche und die Kleinen trugen stolz ihre Laternen. Auf dem Vorplatz schlossen sie sich einem immer länger werdenden Lampionzug an, an dessen Seiten ich Fackelträger sah. Dazwischen gingen andächtig die Laternenkinder mit ihren Eltern, nur die Kleinsten schob man im Kinderwagen. Kein Laut war von ihnen zu hören. Von weit vorne vernahm ich die Klänge der Musikkapelle, die gedämpft und unaufdringlich das Lied "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne" spielte.

Die flackernden Fackeln und die leuchtenden Laternen legten einen strahlenden Kranz um den Zug. Die Ruhe die herrschte, nur untermalt durch die leise Musik, strömte Frieden und Harmonie aus. Fasziniert stand ich da und wagte kaum zu atmen. Vergessen war das bedrückende Gefühl, das ich in der Siedlung empfand. Selbst Max setzte sich still neben mich und schaute auf die vielen Menschen und glitzernden Lichter. Sogar die Klänge der sanft geblasenen Trompeten machten ihn nicht unruhig.

Der Lichterzug bewegte sich über die ganze Straßenbreite durch den Ort, seine Länge reichte über mein Blickfeld hinaus und schien endlos zu sein. Den Schluss bildete schützend ein großer Feuerwehrwagen. Der Zug entfernte sich und erst, als ich ihn kaum noch sah, ließ mich der Zauber dieses Lichtermeeres los. In dem Gefühl, das strahlende Leben gesehen zu haben, setzte ich meinen Hundespaziergang in Gedanken versunken fort.

Der Lichterzug wandte sich zum weit entlegenen Bahnhof um auf dem Kirchplatz am Jagdschloss seinen Abschluss zu finden. Das Schlösschen mit seinen Erkern bildet, neben der Kirche, den Kern des Dorfes. Es ist umgeben von kleinen restaurierten Häuschen und hohen alten Bäumen, die alle in warmes Licht gebettet waren. Die wenigen Blätter, die sich dem Herbstwind widersetzt hatten und noch fest an den Zweigen hingen, wiegten sich leicht im Wind und das Licht der Sterne glitzerte zwischen ihnen hindurch.

Auf dem Platz hatte man Stände aufgebaut, die mit Sträuchern und Herbstlaub liebevoll dekoriert waren. Helfer stellten Getränke bereit und brieten auf einem Grill Würstchen. In der Mitte schürten drei junge Männer ein Feuer mit großen Holzstämmen. Lodernde Flammen stiegen auf, Funken flogen und eine wohlige Wärme empfing mich auf meinem Rückweg.

Wieder erfasste mich dieses übermächtige Gefühl, das mich den kalten Herbstwind vergessen ließ. Das Bild der vielen jungen Menschen, die Hand in Hand arbeiteten und die Harmonie, die sie ausstrahlten, brachte mir ein Stück meiner Jugend zurück. Dieser Stimmung konnte ich mich nicht entziehen, sie lud mich ein und wie von unsichtbarer Hand geführt, gesellte ich mich zu den Menschen auf dem Kirchplatz.

Lächelnde Gesichter empfingen mich und meinen Begleiter und ich kaufte die mir angebotene Bratwurst. Max blieb artig bei mir sitzen, dabei den Blick nicht auf die Bratwurst, sondern auf das große Feuer gerichtet, das sich in seinen Augen spiegelte. Er bekam ein Stück von meinem Würstchen ab, denn auch er sollte diesen Tag als etwas Besonderes empfinden.

Um uns herum füllte sich der Platz mit den vielen Menschen aus dem Laternenumzug. Die Kinder liefen zu den Ständen und erfreuten sich an den angebotenen Kleinigkeiten, ihre Wangen waren gerötet. Nicht nur vor Kälte, dachte ich so bei mir, sondern auch vor Aufregung. Ihre strahlenden Augen sagten es mir.

Dezent ging ich mit Max zur Seite, um dann über eine kleine Nebenstraße meinen Heimweg anzutreten. Der Rückweg durch die düstere Siedlung hatte sein Geheimnis für mich verloren, denn ich wusste, wo die Lichter zu finden waren.

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Kein Weg ist dem zu lang, macht er sich vor ihm nicht bang. Gini P.

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