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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 419 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.284

14.12.2014 09:59
Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Der Weihnachtsschwan
Von Claus Beese

Schwanenjunge sind zumeist im Kindesalter dunkel und erst im Laufe des Erwachsenwerdens verändert sich die Farbe ihres Federkleides hin zu dem wunderschönen Weiß, das man von ihnen gewohnt ist. Nicht so Fridolin, bei ihm blieb die schwarze Farbe erhalten und je größer er wurde, umso tiefer wurde das Schwarz. Ja, es nahm sogar einen ganz wunderbaren Glanz an, der seinesgleichen suchte. Kein weißer Schwan glänzte so wunderbar wie Fridolin in seinem schwarzen Federkleid und wenn Fridolin des Nachts ruhig schlafend auf dem See trieb, spiegelten sich sogar die Sterne auf seinem Gefieder.
„Unser kleines schwarzes Familienschaf!“, seufzten seine Eltern, wenn er inmitten der weißen Schar seiner Familie auf dem See seine Runden schwamm. Auch seine Geschwister trieben allerlei Schabernack mit dem dunklen Gesellen, hänselten ihn und stupsten ihn mit ihren Schnäbeln an.

Der Sommer ging der Herbst hielt Einzug. Die Blätter wurden gelb und wirbelten vom Wind gezaust von den Ästen und Zweigen zur Erde hinab. Sie bedeckten sogar weite Flächen des Sees. Fridolin hatte sich zu einem Einzelgänger entwickelt, als feststand, dass niemand aus seiner eigenen Familie ihn so recht mochte. Fortwährend schimpften sie mit ihm, weil er doch so anders war als sie. Er konnte sein Aussehen nicht verändern und so beschloss er, sich von seinen Eltern und Geschwistern zu trennen. Eines Tages hörte er das Singen von schlagenden Schwanenflügeln und schaute hoch. Fünf Schwäne in einem glänzenden Schwarz wie er selbst, flogen über den See. Sie schienen ihn gesehen zu haben, denn sie setzten zur Landung an. Mit ihren breiten Füßen glitten sie wie auf Wasserskiern ein Stück über die glatte Oberfläche, bis ihr ganzer Körper auf dem Wasser aufkam. Ruhig schwammen sie auf Fridolin zu.

„Schaut, ein Leidensgenosse“, sagte einer der Schwäne.
„Und so ein hübscher!“, bemerkte ein junges Schwanenfräulein und schlug verschämt ihren Blick nieder, als Fridolin sie mit großen Augen anstaunte. Er und hübsch? Das hatte noch keiner zu ihm gesagt.
„Komm, flieg mit uns oder hält dich hier etwas?“, meinte ein weiterer und schaute sich suchend um. „Nein! Ganz offensichtlich hält dich hier nichts. Ich kann außer uns niemanden entdecken, der zu dir gehören könnte.“
„Wohin wollt ihr?“, stellte Fridolin die Frage, die ihn am meisten beschäftigte. Wenn er denn schon weg sollte, dann wollte er schon wissen, wohin die Reise ging. Das junge Schwanenfräulein schaute Fridolin tief in die Augen und sagte leise: „Wir sind auf der Suche nach einem Platz, wo wir in Ruhe und Frieden leben können. Kommst du nun mit?“

Fridolin kam mit. Nichts auf der Welt hätte ihn davon abhalten können, mit der netten Schwänin davonzufliegen.
„Ich bin Fridolin“, stellte er sich artig vor und das Schwanenmädchen begann zu kichern.
„Ich heiße Frieda“, antwortete sie und fand, dass sie beide nicht nur wegen der Namensverwandtschaft ganz wunderbar zusammenpassten. Die kleine Schar schwarzer Schwäne erhob sich und flog davon, niemand von ihnen wusste wohin, doch jedes Land war ihnen recht, wenn in dem sie ihren Frieden finden konnten. So wurde es Winter.

Die Schar fand trotz der Kälte offene Wasserstellen an Flüssen und Weihern, wo sie rasten und sogar ein wenig Futter finden konnten. Manchmal kamen auch Menschen und brachten ihnen Brotreste oder andere Leckereien. Ganz dicht aneinander gekuschelt schliefen sie in der Nacht, in der die Sterne am Himmel schimmerten wie Diamanten auf schwarzem Samt. Ein Stern leuchtete heller als alle anderen und am Himmel konnte man etwas sehen, das es sonst dort nicht gab. Ein Rentiergespann zog einen rotgoldenen Schlitten über das Firmament, in dem ein großer Mann mit weißem Bart saß und seine Zugtiere anspornte.
„Lauft, Kinder, lauft! Wir sind spät dran. Donner, Blitzen, Cupid, schneller, viel schneller!“, dröhnte seine Bassstimme durch die frostklare Nacht. Der riesige Sack, der hinten im Schlitten lag, war prall gefüllt und die acht Rentiere hatten gewaltig zu tun, dem Weihnachtsmann zu der Geschwindigkeit zu verhelfen, die er brauchte, um allen Kinder in dieser Nacht ihre Geschenke zu bringen. Gerade holte er wieder einmal tief Luft um seine Zugtiere anzufeuern, als es geschah. Rudolf, das Leitrentier mit der roten Nase, geriet ins Straucheln. Der ganze Schlitten sackte ab und Rentiere wie Weihnachtsmann und der große Geschenke-Sack purzelten in den Schnee. Die Rentiere hatten sich untereinander mit ihren Geweihen verhakt oder hingen hilflos im Schlittengeschirr. Drei von ihnen hatten sich wohl auch die Hufe verstaucht, denn sie jammerten so laut, dass die Schwäne erwachten und sich neugierig umschauten.

„Oh, was für ein Malheur!“, schimpfte der Weihnachtsmann und klopfte sich den Schnee aus dem Bart und vom Mantel. Dann sah er, dass er mit dem Gespann in dieser Nacht die Kinder nicht mehr erreichen würde. Aber er sah auch die sechs schwarzen Schwäne, die herankamen.
„Euch schickt der Himmel!“, frohlockte der Alte mit dem weißen Bart. „Nur ihr könnt noch den Kindern zu ihren Geschenken verhelfen.“
Frieda breitete ihre Flügel aus.
„Wir?“, fragte sie ungläubig. „Du hast neun Rentiere und wir sind nur zu sechst. Wie sollen wir das machen?“
Der Alte vor ihr im Schnee lachte, dass sein Bauch ins Wanken geriet.
„Immerhin seid ihr sechs schwarze Schwäne, also etwas ganz Besonderes“, erwiderte er dann. „Und wenn ihr es nicht schaffen könnt, dann kann mir keiner mehr helfen.“

Er griff in seine Manteltasche, nahm etwas heraus und warf es in die Luft. Ein feiner Schleier aus Sternenstaub legte sich auf das Gefieder der sechs Schwäne und ihr glänzendes Gefieder begann zu leuchten. Sie sahen sich untereinander an und fühlten sich kräftig und stark. Sie ließen sich vom Weihnachtsmann in das Schlittengeschirr spannen und konnten es kaum abwarten, mit ihm in den nächtlichen Himmel zu starten.
„Moment“, sagte eines der Rentiere und setzte Fridolin eine rote Weihnachtsmann-Mütze auf. „Dienstkleidung für das Leittier!“

„Mach dir um uns keine Sorgen“, versicherte das rotnäsige Leitrentier dem besorgten Weihnachtsmann. „Uns ist nicht sehr viel passiert, aber mit verstauchten Hufen geht es für uns hier nicht weiter. Fliegt los, wir warten auf den Abschleppdienst aus dem Weihnachtsmann-Dorf. Die Elfen vom Nordpol werden bald hier sein.“
Der weißhaarige Alte winkte ihnen zu und dann startete der wohl seltsamste Weihnachtsmann-Paketdienst, den die Welt jemals gesehen hatte. Sechs glänzende schwarze Schwäne jagten mit kraftvollen Flügelschlägen über den Himmel und zogen den Schlitten mit den Geschenken für die Kinder von Stadt zu Stadt und von Haus zu Haus.
Als sie im Licht des beginnenden neuen Tages am Nordpol in der Weihnachtsstadt landeten, lud man sie ein, als Reserveteam dort zu bleiben. Sie erhielten einen eigenen beheizten Teich und Futter so viel sie wollten.
„Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen“, sagte das Schwanenfräulein Frieda leise.
„Du hast doch gehört, dass wir etwas ganz Besonderes sind“, gab Fridolin ebenso leise zurück.
„Und du bist etwas ganz Besonderes für mich“, flüsterte Frieda, kuschelte sich an ihren Fridolin und schlief ein.



Foto © Nachaliti - Fotolia.com


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Petrusautor Claus

Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.284

07.01.2015 09:31
#2 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Dritter Platz beim Geschichtenwettbewerb:

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Petrusautor Claus

Anneke Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 178

07.01.2015 09:40
#3 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Glückwunsch! Und mein Neid begleitet Dich ;-)

Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.284

07.01.2015 09:43
#4 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Habe ich auch nicht mit gerechnet. Wird für eine Spende verwendet, vermutlich DGzRS.

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Petrusautor Claus

Jürgen Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 1.985

07.01.2015 09:57
#5 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Glückwunsch.
Knall die Moneten morgen auf den Kopf.
Für eine Torte + 60 Kerzen.

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Nach Ebbe folgt immer eine Flut

Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.284

07.01.2015 09:59
#6 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Ne, die werden anderweitig finanziert. Die DGzRS benötigt es dringender. Ich muss keine neuen Seenotrettungskreuzer bauen...

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Petrusautor Claus

Katja U. Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 834

07.01.2015 22:36
#7 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Glückwunsch, Claus!

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Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.284

08.01.2015 00:07
#8 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Danke, Katja.

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Petrusautor Claus

Klaus-Dieter Welker Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 2.003

08.01.2015 07:16
#9 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Freut mich, dass deine Geschichte so einen Erfolg hatte - und das die Kohle an die DGzRS geht. Das gibt mindestens ein halbes Dutzend Schwimmflügel :-). Nee, im Ernst: da ist sie wirklich gut aufgehoben.

Gini Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 464

08.01.2015 10:03
#10 RE: Weihnachtsgeschichte 2014 - Der Weihnachtsschwan Zitat · antworten

Uiii... das lese ich ja jetzt erst

Herzlichen Glückwunsch Claus. Das ist ja klasse

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Kein Weg ist dem zu lang, macht er sich vor ihm nicht bang. Gini P.

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