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Ich weise aber aus gegebenem Anlass darauf hin, dass jeder Interessent sich vorab im Netz über
Druckkosten-Zuschuss-Verlage (DKZV) informieren sollte, die lediglich darauf abzielen, für viel Geld
die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


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und wurde 26 mal aufgerufen
 Strasser, Ruth
Ruth S Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 617

09.07.2018 09:30
Kurzgeschichten Zitat · antworten

Wellness am Sonntag
Von Ruth Strasser

Es war Sonntagfrüh, kurz nach zehn Uhr. Ich ging den Tag nach einer ereignisreichen und anstrengenden Woche geruhsam an, genoss ein Tässchen Zitronentee mit Ingwer und beschloss, die Gunst der Stunde zu nutzen, um während einer kleinen Wellness-Auszeit Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen.
In großen Lettern schrieb ich mit einem dicken, roten Filzstift: „Wellness“ und darunter: „Bitte auf keinen Fall stören!“ auf ein weißes Blatt Papier im Plakatformat. Die Signalwirkung war gegeben, aber um das Ganze abzurunden, malte ich noch unzählige schwarze Ornamente, Spiralen und Pentagramme hinzu. Wenn dieses Plakat in seiner vollen Größe an der Außenseite meiner Tür in Augenhöhe angebracht wäre, würde keiner es wagen, in meinen Wellnessbereich einzudringen. Dies sollte genügen, um mich vor einem plötzlichen Überfall durch meine Tochter Charlotte und meinem Ehemann Manfred zu bewahren.

Hatte ich an alle Eventualitäten gedacht? Nein. Ich hatte noch einen möglichen Störfaktor vergessen und zwar unsere liebe reinrassige Mischlingshündin Mayli, für die auch noch eine Lösung gefunden werden musste. Nach kurzer Zeit kam ich drauf, sie zu meiner Tochter Charlotte ins Bett zu verfrachten. Ich wollte ja auf Nummer Sicher gehen, und Charlotte würde sich davon nicht beim Schlafen stören lassen.
Ich schlürfte den letzten Schluck Tee, während ich das Papier trocken wedelte und Ausschau nach dem freilaufenden Hund hielt, als ich noch eine weitere Quelle einer möglichen Ruhestörung entdeckte, nämlich unsere Katzen. Ich scheuchte leise die drei Miezen in den Hof und schickte Mayli in Charlottes Schlafgemach. Manfred hielt sich in seinem Schlafzimmer auf, was ich an den mir vertrauten Geräuschen erkannte, mit denen er Freund und Feind in seinen Träumen in die Flucht zu schlagen pflegte.

Schnell hatte ich das Plakat an meiner Schlafzimmertür angebracht und freute mich auf meinen Ausflug in die Welt der Meditation, den ich mir an diesem Morgen gönnen wollte. Endlich konnte ich meiner neuen CD mit dem vielversprechenden Namen „Secrets of life“ lauschen.
Die drei Putten, der große Rosenquarz und die Tarotkarten auf dem kleinen Altar neben dem Kopfteil meines Bettes sahen sehr ästhetisch aus. Auch ein kleiner Buddha fand noch Platz. Ich hatte an alles gedacht. So griff ich zum langen Streichholz, entzündete es und brachte in feierlicher Stimmung den Docht der Duftöllampe, die Enden einiger Sandelholz-Räucherstäbchen und die drei unterschiedlich großen goldbeschichteten Kerzen zum Brennen und Glimmen. Die herabgelassene Jalousie verdunkelte den Raum und das um die Gardinenhalterungen drapierte, bemalte Seidentuch gab dem Ambiente den letzten Schliff. Ich genoss das Flackern der Lichtlein und den Anblick meines kleinen Altares, schob die CD in die dafür gemachte Öffnung, stellte den Lautstärkeregler auf „laut“ und setzte meine Kopfhörer auf.
Bequem und entspannt lag ich auf dem Rücken, schloss die Augen und konzentrierte mich sowohl auf die Atmung, als auch auf die innere Wahrnehmung. Auftauchende Gedanken ließ ich vorbeiziehen, wie Wölkchen am blauen Himmel. Eine zarte, helle Frauenstimme ertönte aus dem Kopfhörer: “Fühlen Sie nun, wie Sie allmählich entspannter werden. Genießen Sie die Harmonie und Ihre Leichtigkeit im Sein. Feine Schwingungen durchdringen all Ihre Körpersysteme. Spüren Sie, wie Ihre Chakren sanft gereinigt werden und wie wunderbar es ist, ein geistiges Wesen zu sein, das frei und unbeschwert den Weg zurück ins Licht findet. Öffnen Sie das Tor zum Licht und treten Sie ein in das Geheimnis des Lebens.“
Die Frauenstimme trug mich wie auf Händen und wunderbare Schwingungen durchdrangen und erfüllten mich. Während ich in ein anderes Universum mit Sphärenklängen glitt, ließ ich endgültig alle weltlichen Dinge los und verschmolz mit meiner Fantasie und mit den Düften und Klängen, die mich umgaben. Vor meinen inneren Augen sah ich Delphine, die schnatternd in einem fort aus den Wellen des Meeres emporkamen, um anschließend wieder unter Wasser zu tauchen und dort Blubberblasen zu kreieren. Ich sah Kinder auf Delphinrücken reiten, sich dort festhalten und Nixen liebliche Liedchen singen. Die Sonne spiegelte sich auf der bewegten Wasseroberfläche so sehr, dass ich sogar während der Meditation meine Augen zusammenkniff, um etwas zu erkennen zu können.

Lebendig und frei, in Licht gebadet und glücklich, tummelte ich mich zwischen Nixen und Delphinen, als ein schrilles und stets wiederkehrendes Geräusch diese wunderbare Atmosphäre durchdrang. Ich zuckte zusammen. Näherte sich meinem Paradies ein gefährliches Tier? Näherte sich etwa Steven Spielbergs "Weißer Hai?" Meine Tiefenentspannung wich und ich öffnete die Augen, um nach der lauernden Gefahr Ausschau zu halten. Wo war sie? Wo war das Meer, wo waren meine Delphine? Gereizt nahm ich die Kopfhörer ab und war wieder ganz fest im Hier und Jetzt verankert, das mich mit martialischen Tönen empfing. Die Putten auf meinem Nachttisch müssen ebenso aus allen Wolken gefallen sein wie ich.
Der durchdringende Ton, der noch immer nervtötend zu hören war, entpuppte sich als das akustische Signal des Rauchmelders, der, wie konnte es auch anders sein, über mir und meinem Altar angebracht war. Nun regte sich etwas im Altbau. Vom lauten Geräusch alarmiert, eilten Charlotte und Manfred eilig herbei und erschienen, natürlich das Plakat übersehend, im Wellnessraum.

„Nein, es brennt nicht. Das einzige, was brennt, sind meine Kerzen, mein Öllämpchen und meine Räucherstäbchen.“ Ich seufzte. Meine Verzauberung im Nirvana war an diesem Tag unwiederbringlich verloren. Ob ich jemals wieder das Tor zum Licht finden würde?
Möchte ich heute wissen, ob sich mein Gatte in der Nähe befindet und er auf mein Rufen nicht reagiert, wende ich den Trick mit dem Rauchmelder an. Wofür gibt es Räucherstäbchen?

©Ruth Strasser, 2018

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