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Faszination Wasser
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Ich weise aber aus gegebenem Anlass darauf hin, dass jeder Interessent sich vorab im Netz über
Druckkosten-Zuschuss-Verlage (DKZV) informieren sollte, die lediglich darauf abzielen, für viel Geld
die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 118 mal aufgerufen
 Allgemeines
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 8.835

10.11.2010 13:27
Ein ganz und gar öder Vorgang Zitat · antworten

Neulich unterhielt ich mich mit einem alten Klassenkameraden beim Griechen über die "guten, alten Zeiten". Gespannt wollte er in Erfahrung bringen, ob ich noch immer angele.
"Klar, und seit wir das damals von allerlei schwimmenden Untersätzen probierten, bin ich darüber sogar noch zu einem Motorboot gekommen", erklärte ich. Er nahm einen Schluck Bier, sah mich offen an und meinte: "Angeln ist doch soooo langweilig, und in einem kleinen Boot zu hocken und auf seine Angelrute zu starren, ist doch nun der ödesete Vorgang überhaupt."
Öde? Der Mann hatte keine Ahnung. Der hätte mal mit mir nachts unterwegs sein müssen, wenn andere Leute sich in ihrem warmen, sicheren Bett räkeln, und zwischen sich und der Welt da draußen eine feste Tür haben, die sie hinter sich abschließen können.
"Pass mal auf: Ich entnehme Deinen Worten, dass du noch nie eine Nacht in einem Boot verbracht hast. Wenn ich da an die vielen Nächte denke, in denen meine Freunde und ich auf den Nebenarmen der Weser unterwegs auf Aalfang waren...! Zur Dunkelheit des Himmels kam die unheimlich gurgelnde Schwärze des Wassers, geheimnisvoll, bedrohlich...

Alles, was außerhalb des kleinen Lichtkreises unserer Petroleumlampe war, ließ sich nur ahnen. Schaltete man die Taschenlampe ein, so funkelten einen tausend Augen aus der Dunkelheit an, und du wusstest nicht, ob sie zu einem Fleischfresser oder friedlichen Lebewesen gehörten. Merkwürdige Dinge geschahen unter dem Boot. Leises Klopfen entlang des Rumpfes, merkwürdige Schleifgeräusche, und genau vor dir taucht ein riesiges Büschel Gras oder Schilf auf. Du nimmst deine Rute auf, weil es nicht in deiner Schnur hängen bleiben soll, da siehst du in dem fahlen Licht der Lampe einen Stiefel verkehrt herum in dem schwimmenden Gras stecken. Und eigentlich möchtest du nicht wissen, ob da noch etwas unter und in dem Stiefel steckt...

Oder du möchtest den Anker lichten und ziehst und ziehst, aber etwas hält ihn fest. Selbst der zäheste Schlick könnte ihn nicht so halten. Du zerrst an der Leine und vor dir taucht etwas riesiges, dunkles aus dem Wasser, und ..., es ist an deiner Ankerleine. Du schreist, du schüttelst dich, du lässt die Leine los und das Furchtbare versinkt gurgelnd in der Tiefe. Erst nach einer halben Stunde traust du dich erneut, nach der Leine zu greifen und sie ins Boot zu ziehen. Merkwürdigerweise folgt der Anker willig und ohne zu haken ....

Eine Nacht verbrachten wir auf unserem Kajütboot am heimatlichen Steg. Ich wurde wach, weil etwas rhythmisch von unten gegen den Rumpf schlug. Mit einer starken Lampe leuchtete ich die Umgebung ab, da ich annahm, es sei ein Baum oder Holz, das sich unter Steg und Schiff verfangen hatte. Mit einem Bootshaken versuchte ich unter Wasser zu ertasten, was da klopfte. Ich fand ... nichts! Ich legte mich bäuchlings auf den Steg, leuchtete in das düstere Wasser und schaute direkt in zwei Augen! Sie sahen mich an, kalt, tot, unwirklich! Sie konnten einem Reh oder Schaf, einer Kuh oder was auch immer gehören. Bevor ich mich entschließen konnte, das tote "Was-auch-immer" mit einem Strick zu sichern, verschwand es in der Tiefe und das Klopfen hörte auf.

Eine brennende Yacht trieb eines Nachts mit der Flut den Fluss herauf, verfing sich quer vor unserem Steg und setzte zwei Boote und den Ponton in Brand. Wir konnten die Schiffe retten, aber der Steg wurde beschädigt. Die brennende Yacht brannte völlig aus. Als man sie bergen wollte, fand man achtern eine Leine, die ins Wasser hing. Daran hing, im Wasser treibend, der Skipper, der sein Boot angezündet und sich selber erschossen hatte.
Ich könnte dir noch ein paar von diesen "öden" Gute-Nacht-Geschichten erzählen, aber natürlich hast du recht: Wann passiert einem das schon mal? "

Die Augen meines Gegenübers waren groß geworden. Mit starrem Blick sahen sie mich an. Sein Mund war weit geöffnet, die Härchen an seinen Armen hatten sich aufgestellt und auch sein Kopfhaar schien fülliger geworden zu sein. Lag es daran, dass ihm die Haare zu Berge standen? Er schluckte trocken, setzte sein Glas Bier an die Lippen und trank es in einem Zug aus.
"Ich glaube, ich fahre mit dem Taxi nach Hause", murmelte er.

-------------------------------
Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

Wolve ( gelöscht )
Beiträge:

10.11.2010 16:49
#2 RE: Ein ganz und gar öder Vorgang Zitat · antworten

Das sind ja viele Stories auf einmal. Ich sehe schon, dir wird der Stoff nie ausgehen.
Gruß
Dieter

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