Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Faszination Wasser
Das Forum zur Autorenseite


Zur Autoren-Homepage

Leider habe ich keinen Einfluss auf die am rechten Bildrand eingeblendete Google-Werbung.
Ich weise aber aus gegebenem Anlass darauf hin, dass jeder Interessent sich vorab im Netz über
Druckkosten-Zuschuss-Verlage (DKZV) informieren sollte, die lediglich darauf abzielen, für viel Geld
die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 63 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.107

05.02.2018 09:22
Jan Kiekut und die Sache mit den Ostereiern - von Claus Beese Zitat · antworten

Jan Kiekut und die Sache mit den Ostereiern
Eine amüsante Ostergeschichte über den Vegesacker Jungen
von Claus Beese, aus dem Buch " Jan Kiekut - Die Abenteuer des Vegesacker Jungen



„Schöne Pleite!“ brummelte Jan Kiekut missmutig und spuckte in hohem Bogen in die trüben Fluten der Weser. „Sag mal ehrlich, warum muss immer mir so etwas passieren?“
„Och, nimm das man nich so tragisch!“ versuchte sein bester Freund Emil ihn zu trösten. „Das war ja auch eine ganz hundsgemeine Fangfrage vom alten Schulmeister. Ganz ehrlich, ich wäre da bestimmt auch drauf reingefallen!“
„Na ja, das hätte ich ja verschmerzen können. Aber dass alle anderen mich so auslachen mussten, und das vor den Augen von der Liesel. So ‘n Schiet!“
Emil, der Sohn des Lebensmittelhändlers am Hafen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Aber ich hab was gesehen, was du nicht sehen konntest, weil du in der Ecke stehen musstest!“ triumphierte er. Jan, der Junge vom Utkiek, drehte den Kopf ein wenig und schaute Emil skeptisch an.
„Sooo? Und was bitte hast du gesehen?“
„Dass die Liesel vom Schönebecker Müller nich gelacht hat! Sogar ganz böse geguckt hat sie, als die anderen so losgrölten.“
„Ach ne?!“ machte Jan schon wieder fast versöhnt, und seine Augen bekamen einen ganz träumerischen Ausdruck „Hat sie?!“
„Hat sie!“ bestätigte Emil nochmals. „Ich weiß doch was ich gesehen habe!“
„Oh Elend! Warum musste ich auch sagen, dass der Osterhase die Ostereier legt? Warum kann ich nicht einfach immer nur den Mund halten und ein schlaues Gesicht machen? Immer trete ich in alle Fettnäpfchen!“ stöhnte Jan kummervoll.
„Mal ehrlich, Jan! Wer sollte denn auch ahnen, dass der Osterhase sie nur bringt? Ich war auch ganz schön überrascht, als der Schulmeister behauptete, dass in Wirklichkeit die Hühner die Ostereier legen sollen. Warum aber bringt sie denn dann ein Hase? Warum nicht ein Osterhahn oder ‘ne Osterhenne? Da kann doch irgend etwas nicht stimmen!“
Emil wiegte bedächtig den Kopf und man konnte deutlich an seiner qualvoll gefurchten Stirn erkennen, dass sich die Gedanken in seinem Hirn mit atemberaubender Geschwindigkeit jagten.
„Vielleicht hat er ja auch diesmal gar nicht recht? Denn gesehen hat das ja noch keiner! Woher will der Rohrstock das also so genau wissen?“
„Du meinst, man müsste einfach nur den Gegenbeweis liefern?“ hakte Jan Kiekut nach, und langsam erwachte echtes Interesse in ihm.
„Klar! Kann doch gar nicht so schwer sein, schließlich ist ja bald Ostern, und die Langohren müssten doch schon voll am Legen sein, um pünktlich liefern zu können. Da müsste man sicher irgendwo einen auftreiben können, und den präsentieren wir dann dem Schulmeister!“
Jan erhob sich von dem Poller, und stolperte fast über die starken Taue, mit denen die Frachtsegler hier an der Kaje festgemacht waren. Er war jetzt Feuer und Flamme. Der Gedanke, es dem Kinderquäler mal so richtig zu zeigen, gefiel ihm.
„Na los, was stehen wir hier noch herum? Lass uns Hasen fangen!“
Die beiden Jungen stürmten davon und begannen, am Fuße der Grohner Düne alle Sträucher und Büsche zu durchstöbern. Auf den Wiesen an der Lesum gab es eigentlich Hasen und Karnickel satt, aber wie das so ist, wenn man mal eins braucht...!
„Siehst du? Kein einziges Langohr zu sehen!“ stellte Emil zufrieden fest.
„Und was schließt du daraus?“ fragte Jan erstaunt.
„Na, dass sie am Eierlegen sind, du Blödel! Was denn wohl sonst? Oder kannst du mir sagen, wo all die Viecher, die sich hier sonst tummeln, hin sind?“
Nein, konnte Jan nicht! Emils Gedanken erschienen bestechend logisch. Donnerwetter, das hatte er seinem Freund gar nicht zugetraut.
„Da! Da ist einer!“ flüsterte Emil plötzlich und deutete auf ein Büschel Binsengras, aus dem tatsächlich zwei lange Hasenohren lugten. Die beiden Freunde pirschten sich lautlos an, um sich im nächsten Moment wie auf Kommando gleichzeitig auf den Hasen zu werfen. Der allerdings dachte überhaupt nicht daran, solange sitzen zu bleiben, bis seine Häscher ihn zu packen bekamen und spurtete Haken schlagend davon. Es krachte gewaltig, als die beiden Bengel mit den Köpfen zusammenstießen. Ein wenig benommen versuchten sie, ihre fünf Sinne zusammenzusammeln und betasteten die prächtigen Beulen, die auf Ihrer Stirn wuchsen, rappelten sich dann aber flugs auf und rannten dann hinter dem Langohr her.
Das Unternehmen erwies sich als gar nicht so leicht, denn dem Hasen fiel es im Traum nicht ein, die beiden näher als zehn Meter herankommen zu lassen. Kaum dass sie diese Distanz unterschritten, flitzte Meister Lampe wieder los, wutschte den beiden durch die Beine und stob davon. Jan Kiekut und Emil sausten hinterher, dass die Soden unter ihren Füßen flogen. Hin und her ging die Jagd, und das Langohr begann sich über die verbissene Ausdauer der beiden zu wundern. Als er merkte, dass sie dieses Spiel so schnell nicht aufgeben würden, wandte sich der Hase zur endgültigen Flucht. Im Hasengalopp jagte er mit weiten Sprüngen über die Wiese in Richtung des alten Tiefs und somit zum Vegesacker Hafen. Dort hatte er die besten Möglichkeiten, sich in den Hausgärten der Vegesacker Bevölkerung zu verstecken. Unsere beiden Helden hechelten hinterher, denn so schnell wollten sie nicht aufgeben. Immerhin ging es ja um was.
So hetzten sie das Langohr in einen der Höfe und als Meister Lampe merkte, dass ihm außer der offen stehenden Tür zum Hühnerstall kein Ausweg mehr blieb, war er auch nicht wählerisch und flitzte hinein. Die armen Hennen stoben panisch gackernd auseinander, als der Stummelschwanz mitten zwischen sie sauste.
„Any port in a storm!“ mochte sich der Hase gedacht haben und duckte sich tief in das Stroh des Nestes, von welchem er gerade Klara , die beste Legehenne des Schusters vertrieben hatte.
In der Tür erschienen nun die beiden Jungen, und sie brauchten gar nicht lange zu suchen, bis sie ihr Opfer in der Kiste mit dem Nest fanden. Sie griffen sich einen alten Sack, der an einem Haken hing und damit war das Schicksal des Langohrs besiegelt. Sie warfen den Fetzen Stoff über die Kiste und der Hase saß in der Falle.
„Guck mal, worauf der sitzt!“ staunte Emil und deutete auf die beiden Eier, die Klara gerade auszubrüten gedachte, als sie so unversehens vom Nest gejagt wurde.
„Meine Güte, Emil! Du hast Recht gehabt! Der Schulmeister liegt völlig falsch mit seiner Behauptung, die Hühner legten die Ostereier. Hier haben wir den Beweis. Ein Hase mit zwei Eiern im Osternest. Toll! Einfach genial, wie wir das wieder mal gemacht haben!“
Am nächsten Morgen trugen die beiden voller Stolz ihre Kiste mit dem Nest und dem Hasen zur Schule. Um nicht in den Verdacht des Betruges zu geraten, hatten sie die Eier herausgenommen. Sollte doch der Hase zwei neue legen, dann würden es alle mit eigenen Augen zu sehen bekommen. Gespannt standen die Kinder und der Schulmeister um die Kiste herum und starrten auf den armen, verängstigten Hasen, der sich natürlich auf all das keinen Reim machen konnte und sich extrem unbehaglich fühlte.
„Da! Seht nur! Gleich legt er ein Ei, er macht schon einen richtigen Buckel! Gleich werdet Ihr sehen, dass ich recht hatte!“ triumphierte Jan Kiekut und deutete in die Kiste, wo sich der Hase tatsächlich in eine merkwürdige Position begeben hatte.
Und dann geschah das unglaubliche....! Der Hase begann tatsächlich Eier zu legen. Allerdings nicht die großen weißen, die gestern im Nest gelegen hatten, sondern nur ganz kleine und von bräunlich-grüner Färbung, aber dafür kullerten wohl auch an die zwanzig Stück in die Kiste.
Schallendes Gelächter erfüllte den Raum und die Kinder hielten sich vor Lachen die Bäuche.
„Jan Kiekut!“ hechelte der Lehrer und wischte sich die Lachtränen aus den Augen. „Jan Kiekut! Du hattest wahrhaftig recht! Hier haben wir ein Prachtexemplar eines eierlegenden Hasen! Und Jan, du darfst all die Ostereier, die er gelegt hat, ganz alleine aufessen!“
Das erneut aufbrandende Gelächter trieb Jan Kiekut aus dem Schulhaus.
Nie wieder – so schwor er sich - nie wieder würde er einen Fuß in dieses Gemäuer setzen! Eher würde er anfangen Eier zu legen!

--------------

Hier geht es zurück zum Autoren-Osterspecial-Kalender: http://www.autoren-adventskalender.de/

Wenn Sie mehr über den Schriftsteller und seine Bücher wissen möchten, schauen Sie doch einfach mal auf seine Internetseite:
http://www.claus-beese.de

-------------------------------
Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Piraten, Gouda und Genever - E-Book-Neuauflage - Claus Beese
Erstellt im Forum E-Books von Petrusautor
0 17.03.2018 12:05
von Petrusautor • Zugriffe: 18
Weihnachtsgeschichte 2003 - Heiliger (Grog-)Abend in Vegesack von Claus Beese
Erstellt im Forum Kurzgeschichten von Petrusautor
0 29.11.2014 15:42
von Petrusautor • Zugriffe: 375
Der Eulenbaum - von Claus Beese
Erstellt im Forum Poesie und Lyrik von Petrusautor
5 28.10.2014 14:23
von Klaus-Dieter Welker • Zugriffe: 105
Das letzte Blatt - von Claus Beese
Erstellt im Forum Poesie und Lyrik von Petrusautor
2 12.11.2014 23:03
von Gini • Zugriffe: 210
Am Strand von Tonga - von Claus Beese
Erstellt im Forum Poesie und Lyrik von Petrusautor
0 24.07.2014 08:14
von Petrusautor • Zugriffe: 104
Claus Beese, Schriftsteller und Buchautor
Erstellt im Forum Beese, Claus von Petrusautor
23 30.12.2017 17:22
von Petrusautor • Zugriffe: 1402
Manchmal.... - von Claus Beese
Erstellt im Forum Poesie und Lyrik von Petrusautor
3 17.02.2014 13:09
von Stefan Ilius • Zugriffe: 99
Jan Kiekut - Die Abenteuer des Vegesacker Jungen - von Claus Beese
Erstellt im Forum Seefahrt-Geschichten von Petrusautor
2 11.03.2016 09:13
von Petrusautor • Zugriffe: 808
Lasten - von Claus Beese
Erstellt im Forum Poesie und Lyrik von Petrusautor
1 30.11.2012 01:30
von floeckchen • Zugriffe: 65
 Sprung  
Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor