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die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


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 Kurzgeschichten
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.649

24.12.2013 13:14
Weihnachtsgeschichte 2013 - Das Weihnachtsballett Zitat · antworten

Das Weihnachtsballett
Von Claus Beese

Jan Kiekut trabte durch das Vegesacker Fährquartier. Obwohl es Weihnachten war, hatte der Junge aus Vegesack eine üble Laune. Man hätte beinahe sagen können, er hatte eine Stinkwut. Irgendein Bücherschreiber aus dem Bremer Norden hatte ein Buch über einen seiner Vorfahren geschrieben. Damals, so um 1800 herum, waren die Petermanns noch Fischer an der Unterweser gewesen und der Junge, den sie Jan Kiekut nannten, hatte allerlei Abenteuer im Hafen zu bestehen. Tatsächlich waren die damaligen Petermanns durch ihren Sohn Jan sehr bekannt geworden. So hatte es sich eingebürgert, dass der erste Sohn bei den Petermanns immer Jan getauft wurde, was im Grunde nicht schlimm war. Doch seit das Buch über den Vegesacker Jungen auf den Markt gekommen war, war alles anders. Seine Mitschüler riefen ihn seither nur noch Jan Kiekut und zogen ihn mit allerhand Schabernack auf. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, hatten seine Eltern ihm zu Weihnachten doch tatsächlich das Buch geschenkt.

Jan lief vorbei am hellerleuchteten Fähranleger, warf einen kurzen Blick auf den Weihnachtsbaum, der auf dem Fährschiff leuchtete, wandte den Blick zur anderen Seite und sah auch in der Strandlust, dem Hotel direkt an der Weser, die Gäste in feierlicher Garderobe an den geschmückten Bäumen stehen. Wütend schnaubte Jan durch die Nase, zog sich die blaue Pudelmütze über die Ohren und lief weiter, vorbei an der bronzenen Walfluke in Richtung Signalstation und Stadtgarten. In der Ferne erblickte er ein leuchtendes Dreieck, das sofort seine Neugier weckte. Was mochte das sein? Dort stand ein alter Schlepper am Ufer, doch so hatte er ihn noch nie gesehen.
regina.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Jan trabte wieder los, näherte sich dem hell erleuchteten Schiff. Genau wie einst sein Urgroßvater, der Vegesacker Junge, hatte er es zwar nicht so sehr mit der Schule, doch seine ewig wache Neugier ließ ihn allen Fragen stets auf den Grund gehen.
Noch einer hatte das leuchtende Dreieck gesehen. Hoch vom Himmel herab fiel sein Blick auf das seltsame Leuchten, das er in den Jahren vorher hier nie gesehen hatte. Fast hätte er es für einen seiner Wegweiser gehalten und wollte schon die Rentiere an seinem Schlitten in eine andere Richtung dirigieren, als er denn doch stutzig wurde. Der alte Mann mit dem weißen Bart konnte sich nicht daran erinnern, wohin er hier abbiegen sollte. Er hatte bereits die nördliche Halbkugel mit Geschenken beliefert, kam jetzt von Spitzbergen über Schottland, Irland und England herab aufs Festland und folgte dem Lauf der Weser landeinwärts.

„Das muss ich mir näher anschauen“, brummelte er in den Kragen seines roten Mantels und setzte mit seinem Schlitten zur Landung an. Der Junge, der neben dem erleuchteten Schiff stand und Mund und Augen aufsperrte, bemerkte den Weihnachtsmann erst, als er neben ihn trat. „Toll! Einfach toll! Und weithin sichtbar. Wer hat denn diesen schmucken Schlepper so schön weihnachtlich hergerichtet?“
„Das war die Truppe, die sich um den alten Pott hier kümmert“, gab Jan zur Antwort und staunte darüber, dass er die Anwesenheit des alten Rauschebarts mit seinem Schlitten wie ganz selbstverständlich hinnahm. Hätte er geahnt, dass sein Urahn schon viel mit dem Weihnachtsmann zu tun gehabt hatte, wäre er sicher weniger erstaunt gewesen. So bewunderten sie das hell erleuchtete Schiff, über dessen Toppen eine Lichterkette vom Bug nach Achtern gezogen war und deren Glühlampen leicht im Wind schaukelten. „Schön!“, sagten sie gleichzeitig.

reginabel.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Ein leises Ächzen und Stöhnen ließ die beiden aufhorchen. „Warst du das?“, fragten sie sich wiederum gleichzeitig, und erstarrten, als vom Schiff her eine leise, matte Stimme zu hören war. „Nein, das war ich!“
Der Schlepper „Regina“ stand schon seit geraumer Zeit auf dem Trockenen, dort, wo früher das Tor der Werft war, für die er tätig war. Das Schiff mit dem weiblichen Namen hatte viel zu tun gehabt, als es die Werft noch gab. Es hatte die großen Dampfer in die Docks bugsiert, Neubauten vom Helgen an den Ausrüstungskai gebracht, und war stets rund um die Uhr im Einsatz gewesen. „Heute ist das anders, ich vermisse das Schaukeln auf den Wellen des Flusses, das Rumoren des Dieselmotors in meinem Bauch. Die Gischt, die bei Sturm über mein gesamtes Deck sprühte. Und die Mannschaft, die mich Tag für Tag pflegte. Hier ist es einsam und nur gelegentlich kommen die Leute, um nach mir zu sehen.“
„Deine Geschichte rührt mich an. Ich würde dir gerne einen Wunsch erfüllen, immerhin ist es Weihnachten!“, meinte der weißbärtige Alte. „Was also kann ich für dich tun?“
Regina mochte es nicht glauben. Was erzählte der alte Mann in dem roten Mantel da? Sie sollte sich etwas wünschen? Und…, oh ja, sie hatte einen Wunsch.
„Das kriegste nie hin, sonst will ich Jan Kiekut heißen“, lachte der Junge aus Vegesack und knuffte den Weihnachtsmann freundschaftlich in die Seite. „Nicht?“, antwortete der. „Bin doch schon dabei. Warte ab.“

Etwa zwölf Kilometer weiter die Weser hinauf lagen im Lankenauer Hafen die Schlepper an ihren Liegeplätzen. Am Weihnachtsabend wurden keine größeren Schiffe erwartet und die Mannschaften waren zuhause bei ihren Familien. Eben noch war alles ruhig, doch im nächsten Augenblick brüllten die starken Motoren auf, die Leinen glitten wie von Zauberhand ins Wasser und wurden an Deck gezogen. Scheinwerfer und Lampen strahlten auf und die mächtigen Schlepper „Arion“, „Mars“ und „Stier“ machten sich auf die kurze Reise weserabwärts. Mit mächtiger Bugwelle rauschten sie durch das Wasser und als sie die Flussbiegung bei der Moorlosen Kirche passierten, sahen die beiden am Weserufer ihre Positionslichter, die sich schnell näherten.
„Wie habe ich sie bewundert, wenn ich sie beim Vegesacker Hafenfest vor der Hafeneinfahrt tanzen sah“, flüsterte Regina ergriffen. „Und einmal möchte ich das auch tun. Zusammen mit ihnen!“
Die drei Schlepper positionierten sich im Halbkreis vor der Spundwand, kurz dröhnten die mächtigen Motoren auf, als sie beschleunigten um dann abrupt abzubremsen. Es war, als verneigten sie sich vor Regina und luden sie zum Tanz ein. „Huch!“, quietschte die, als sie sich von ihrem Platz erhob und hinüber zum Wasser schwebte. Sanft glitt sie in ihr Element, die Maschine, die schon jahrelang nicht mehr gelaufen hatte, dröhnte auf und das hellerleuchtete Schiff drehte sich im Kreis ihrer Tanzpartner um sich selbst. Das Schlepper-Ballett tanzte hinaus auf den Fluss, drehte sich in einem weiten Kreis um Regina, und die Tänzer wiederum drehten sich um ihrer eigenen Achsen. Die Wellen gingen hoch, schaukelten Regina hin und her, Gischt spritzte über ihr Deck und lief durch die Speigatten und Klüsen wieder zurück in den Fluss. „Wunderbar!“, jauchzte sie und tanzte begeistert nach einer Musik, die nur die Schlepper zu hören schienen.
Eine letzte Drehung, dann verneigten sich die drei Tanzpartner vor ihrer Lichterkönigin Regina, drifteten auseinander und machten sich auf den Weg zurück zu ihren Liegeplätzen. „Na, Jan Kiekut?!“, fragte der alte Weißbart den Jungen und ließ Regina zurück auf ihren Platz in den künstliche Wellen schweben. Längst war Reginas Motor verstummt, und Stille breitete sich aus. Jan war unfähig etwas zu sagen, doch der Weihnachtsmann erwartete wohl auch keine Antwort. Er stieg in seinen Schlitten, schnalzte mit der Zunge und die Rentiere zogen an. Auf einer Spur goldglänzenden Staubs erhob sich der Schlitten und jagte davon, steil in den Himmel hinauf. Jan drehte sich um, sein Blick streifte den Schlepper, von dem das letzte Wasser herabtropfte. Er drehte sich um und ging zurück in Richtung Fähre.
„Jan!“, hielt ihn Regina auf. „Was tust du jetzt?“
„Nach Haus gehen und das verdammte Buch über meinen Vorfahren lesen!“, brummte der Junge. „Regina?“
„Ja?“
„Fröhliche Weihnachten!“

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Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

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