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 Kurzgeschichten
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.488

15.05.2017 14:52
Éna ellinikó nisí – eine griechische Insel von Claus Beese Zitat · antworten

Éna ellinikó nisí – eine griechische Insel

Das Dröhnen der Turbinen senkte sich zu einem Flüstern herab und der Flieger begann seinen Sinkflug über der Ägäis. Leros, Kalymnos und Pserimos zogen unter dem Flugzeug vorbei und das Gebirge von Kos zeigte sich zu seiner anderen Seite. Der Pilot legte die Maschine in eine enge Linkskurve, um kurz darauf in die entgegengesetzte Richtung aufs Meer hinaus zu steuern. Dort draußen begann er mit dem direkten Sichtanflug auf die Landebahn dieser wunderbaren Mittelmeerinsel am Rande der griechischen Ägäis, die sich in 120 Metern Höhe im Oberland bei Antimachia befand. Endlich war ich zurück auf meinem kleinen Eiland, das so einen unverwechselbaren Duft nach Zitronen, Thymian und Oliven verströmte. Was nun vor mir lag, war eine Zeit des lässig süßen Nichtstuns, des zu sich selbst Findens und der geschäftigen Langeweile, die einen stets im Urlaub überkommt, wenn man mit der plötzlichen Abwesenheit der alltäglichen Pflichten konfrontiert wird. Es ist eine Unruhe, die man aus seiner Kindheit kennt, wenn man sich anschickte, die Grenzen seines jungen Lebens weiter zu stecken, seine Umgebung und schließlich die Welt zu erforschen.

Noch war Frühling in der Ägäis, der Sommer wartete erst auf seinen Beginn, und die Inseln waren grün, die Pflanzen standen alle im Saft und in der Blüte. Es würde nicht mehr lange so bleiben, denn je weiter die Jahreszeit fortschritt, umso stärker veränderte sich die Vegetation. Bald würden die üppigen Farben wegen des Regenmangels in ein staubiges Braun übergehen, über den bewaldeten Berghängen des Dikeos-Gebirges würden die Rauchsäulen der Waldbrände zu sehen sein, die unvorsichtige Menschen immer wieder mit ihrer Zigarettenglut auslösten. Doch bis dahin erstrahlte die Insel in einem wunderbaren Bunt, das Grün der Kakteen wurde gekrönt durch die roten Kaktusfeigen, von weißen Hauswänden sprang einem das üppige Rot der Bougainvillea entgegen. Nur am alten Stadttor strahlte eine dieser mächtigen Drillingsblumen in einem Lila und begrub das Tor beinahe durch ihre Farbenpracht unter sich, machte seine Architektur zur Nebensache.

Die Ägäis leuchtete in allen Farben von Gelb über Grün bis zu einem wunderbaren Helltürkis, das zu den Tiefen hin in ein sattes Blau überging. Weißer Schaum tanzte auf den klaren Wellenkämmen, hohe Wellen brandeten in die Buchten und schlugen an den Strand. Gischtend zerstäubten sie an den Felsen und Molen der Häfen und ihre Tropfen wurden zu glitzernden Brillanten im hellen Sonnenlicht. In einigen wenigen kleinen Juwelierläden gibt es Ringe, die mit irisierenden Opalen besetzt sind, und die alle diese Farben in sich tragen. So kann man zwar das Meer nicht mit nach Hause nehmen, doch sein Zauber kann, eingefangen in diesen Steinen, einen durchaus begleiten.

Ich brauchte eine Weile, bis ich dermaßen entschleunigt war, dass ich mich auf das geschäftige Treiben in der kleinen Inselhauptstadt von Kos einlassen konnte. Doch dann wurde ich Teil davon, wenn auch nur als Beobachter, saß am liebsten in einem der kleinen Restaurants am Hafen, trank einen Café Frappè mit einem Glas Wasser und ließ das Geschehen auf mich wirken. Schiffe legten ab oder an, Fischer landeten ihren Fang an und verkauften ihn an kleinen Ständen vor ihren Booten, saßen da und flickten Netze oder beköderten Langleinen. Zwischen den Autos summten die inseltypischen Motorräder, Mopeds und Motorroller, bahnten sich ihren Weg durch den Verkehr auf den engen Inselstraßen. Hupen, wie es bei den Italienern so beliebt ist, hörte man die Griechen nur selten, und wenn, dann um Freunde oder Verwandte im Vorbeifahren zu grüßen. Man bremste einfach und gewährte freundlich dem anderen das Recht auf Vorfahrt, auch wenn das mal auf einem Irrtum beruhte.

Eine andere Welt, frei von den alltäglichen Sorgen, die einen daheim quälten und zu mancher Flucht veranlassten. Zumindest scheinbar, denn natürlich hatten die Griechen auch ihre eigenen Sorgen, doch die gingen den erholungssuchenden Urlauber ja nichts an. Man war bereit, alles Schöne in sich aufzunehmen, das weniger Schöne zu übersehen oder es zu verdrängen, wenn es sich denn zu arg ins Bewusstsein drängte.
So, wie das Brummen der Triebwerke es gerade tat, das sich in die Wärme meiner Urlaubsbilder schmuggelte, die in mir und vor meinem geistigen Auge waren. Es verdrängte das so angenehme griechische Urlaubsgefühl, steigerte sich zu einem Tosen, und begleitete den Druck, mit dem ich in die Polster des Sitzes gedrückt wurde. Der Flieger schwang sich mit einer eleganten Kurve in die Höhe, weg vom Beton der Startbahn, weg von der Insel im Ägäischen Meer, ging er auf Heimatkurs und in sehr kurzer Zeit würde alles Erlebte nur noch eine Erinnerung sein.
Doch würden sich die Klänge der griechischen Musik, der würzige Duft der Insel, das freundliche Lachen ihrer Bewohner und das Rauschen des Meeres sofort wieder einfinden, wenn man zuhause vor den Bildern sitzen und leise zu seiner Partnerin sagen würde: „Weißt du noch? Damals auf Kos…?“

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Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

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