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Faszination Wasser
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Petrus' Bücherladen

Leider habe ich keinen Einfluss auf die am rechten Bildrand eingeblendete Google-Werbung.
Ich weise aber aus gegebenem Anlass darauf hin, dass jeder Interessent sich vorab im Netz über
Druckkosten-Zuschuss-Verlage (DKZV) informieren sollte, die lediglich darauf abzielen, für viel Geld
die Träume mancher Jungautoren zu verwirklichen. Sie haben mit "echten" Verlagen nichts zu tun.


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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 1.372 mal aufgerufen
 Koschorrek-Müller, Anita
Seiten 1 | 2
Anita K-M Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 1.728

31.03.2016 16:59
#21 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Was bleibt ...

Im Frühjahr 1942 bekam meine Mutter zur Konfirmation ein Poesiealbum geschenkt.
Das in dunkelbraunem Leder gebundene Büchlein wirkt schlicht. Die Vorderseite ziert eine graue, metallene Girlande. Die Ecken sind abgestoßen. Wenn man es aufschlägt, fällt der Blick auf die goldglänzende Innenseite. Der ehemalige Verschluss ist nur noch zur Hälfte vorhanden. Vermutlich gab es mal einen winzigen Schlüssel, um das kleine Buch zu verschließen und vor Neugierigen zu schützen. Trotz der Abnutzungsspuren wirkt es solide. Es stammt aus einer Zeit in der Kunststoff noch nicht Einzug in unseren Alltag gefunden hatte.
Auf den ersten Seiten hat meine Mutter rechts oben, fein säuberlich mit Bleistift in Sütterlinschrift, die Namen von Klassenkameradinnen eingetragen, die noch ihre Verse zu Papier bringen sollten, aber es, aus welchen Gründen auch immer, nicht getan haben. Nur wenige Seiten sind beschrieben. Einige ihrer Mitschülerinnen haben sich hier verewigt, mit kleinen Gedichten und guten Wünschen, zur Erinnerung, zum steten Andenken. Ob sie noch leben, die Luise, die Hildegard, die Frieda, die Anneliese und die anderen, deren Gedichte im Mutters Poesiealbum nachzulesen sind?
Wenn es erzählen könnte, dieses Büchlein, es wüsste vom Krieg zu berichten. Kein Glanzbildchen, so wie es später in besseren Zeiten in Poesiealben üblich war, ziert die vergilbten Seiten. Es herrschte Not in Deutschland. Das Leben wurde bestimmt von den Dingen, die fürs Überleben wichtig waren. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wurde Poesie aufgeschrieben. Auffallend sind die akkuraten Handschriften der Mädels. Schönschreiben wurde den Kindern damals eingebläut, und „Schrift“ war ein benotetes Schulfach. In den Klassenzimmern herrschte Zucht und Ordnung. Die jungen Mädchen standen damals kurz vor ihrer Entlassung aus der Volksschule in eine ungewisse Zukunft, mitten in den Wirren des Krieges.
Meine Mutter kann sich noch an alle Klassenkameradinnen erinnern, die damals im Frühjahr 1942 mit ihr die Schulbank gedrückt haben. Doch die meisten Menschen, die ihr in den letzten Jahrzehnten begegnet sind, hat sie vergessen. In ihrem Gedächtnis gibt es, wie in diesem alten Poesiealbum, viele leere Seiten.
Erinnerung verblasst und vieles geht verloren. Nur die Poesie, die bleibt, auch wenn sie nicht immer ins Zeitgeschehen passt.

Aus Liebe!
Deutsches Herz verzage nicht,
tu was dein Gewissen spricht
dieser Strahl des Himmelslicht
tue recht und fürchte nichts.
Zur Erinnerung von deiner Mitschülerin Lina F.

(gefunden in Mutters Poesiealbum)

Klaus-Dieter Welker Offline

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Beiträge: 1.976

31.03.2016 19:10
#22 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Schön geschrieben - aber du hattest es schon mal hier, oder?

Anita K-M Offline

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Beiträge: 1.728

31.03.2016 19:59
#23 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten



Danke K-D, ich hatte den Text schon mal im Workshop vorgestellt.
Jetzt wurde er in der Seniorenzeitung der Verbandsgemeinde Trier-Land "Erfahrungsschatz" veröffentlicht.

Klaus-Dieter Welker Offline

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Beiträge: 1.976

31.03.2016 20:07
#24 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Das freut mich - meine Nachfrage war nicht böse gemeint :-). Es war mein persönlicher Alzheimer-Test.

Anita K-M Offline

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Beiträge: 1.728

31.03.2016 21:26
#25 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Zitat von Klaus-Dieter Welker im Beitrag #24
meine Nachfrage war nicht böse gemeint :-). Es war mein persönlicher Alzheimer-Test.


Das weiß ich doch. Du hast mein vollstes Verständnis!

Anita K-M Offline

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Beiträge: 1.728

14.06.2016 18:33
#26 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Hochsommer

Flirrende Hitze liegt über dem Land. Die Medien füllen das Sommerloch mit mehr oder weniger dramatischen Meldungen zu den tropischen Temperaturen: „Drei Hitzetote in Osteuropa – Wegen der Hitze Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen – Niedrigwasser auf dem Rhein – Schifffahrt eingestellt“ In der Tageszeitung liest man über die Gefahren der Dehydrierung. Wissenschaftler debattieren über den Grund der Hitzewelle. Ist das Ozonloch dran schuld? Oder die Abholzung der Regenwälder?
In den Getränkemärkten stehen die Kunden Schlange, um sich mit Flüssigem jeglicher Art zu versorgen. Kistenweise werden Getränke in vollklimatisierte Autos geschleppt und nach Hause transportiert, um der Dehydrierung vorzubeugen.

Waren die Sommer früher nicht auch immer sehr heiß? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie oft wir als Kinder hitzefrei hatten. In unserem Keller wurden, weil wir keinen Kühlschrank besaßen, die Getränke aufbewahrt. Trotz extremer Sommerhitze waren dort nur ein Kiste Bier, eine Flasche Sekt und drei Flaschen Wein zu finden. Das Bier, braune Bügelflaschen in einer Holzkiste, war für den Vater bestimmt. Der Sekt war noch vom letzten Geburtstag übriggeblieben und der Wein war ein Geschenk von Vaters Firma zum Betriebsjubiläum. Wie konnte man nur zur damaligen Zeit den Gefahren der Dehydrierung entgehen, die brütende Hitze überstehen ohne zu vertrocknen? Wir Kinder hatten es da einfach. Wir tranken das Wasser direkt aus dem Hahn, um dieser Gefahr entgegenzuwirken. Außerdem stand da noch im Küchenschrank die Flasche mit dem Himbeersirup. Man goss etwa einen Zentimeter hoch Sirup in ein Glas und füllte das Ganze mit Wasser auf. Schon war ein wohlschmeckendes, köstliches Getränk zubereitet. Wenn man unbeobachtet war, konnten aus dem Zentimeter auch mal zwei oder drei werden. Doch niemand interessierte sich für den gesteigerten Zuckerkonsum, und die damit erhöhte Kalorienzufuhr, denn wir Kinder waren sowieso alle zu dünn. Nicht zu vergessen, wenn es um sommerliche Erfrischungen ging, waren die bunten, kleinen Tüten auf denen ein blau gekleideter lachender Matrose abgebildet war. Brause! Brausepulver gab es in vier Geschmacksrichtungen, Zitrone, Orange, Waldmeister und Himbeere. Es kostete nur ein paar Pfennige, und wenn man das Pulver in einem Glas Wasser aufzischte, hatte man ein leckeres sprudelndes Getränk. Doch wir Kinder schütteten das Pulver lieber in die Handfläche und leckten die Brause auf. Das kitzelte auf der Zunge. Man konnte auch in die Handfläche spucken und erlebte dann dort den Brause-Vulkanausbruch. Die Mutigsten schütteten ein ganzes Tütchen in den Mund, um tapfer der Brauseexplosion standzuhalten, die die chemische Reaktion in der feuchten Mundhöhle auslöste. Das war der Kick! Manchmal hatten wir abends Bauchweh und keinen Appetit. Einmal die Zunge zeigen und unsere Mutter wusste Bescheid. Wenn die Zunge in rot, orange, gelb oder grün leuchtete, war dies auf erhöhten Brausekonsum zurückzuführen. Wir mussten dann viel Wasser trinken, damit sich das Brausepulver im Bauch verdünnen sollte und nicht wegen drohender Dehydrierung.


Während meiner Recherche, über das beliebte Brausepulver aus meiner Kindheit, stieß ich auf eine, mir bisher nicht bekannte Variante, wie Brausepulver den sogenannten „Kick“ verschaffen kann.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ahoj
Ein bekannter Shot ist der Wodka Ahoj: Das Brausepulver wird in den Mund gestreut und ein Glas Wodka hinterhergegossen. Durch heftiges Schütteln des Kopfes werden Pulver und Wodka in der Mundhöhle vor dem Schlucken vermischt.

Klaus-Dieter Welker Offline

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Beiträge: 1.976

15.06.2016 07:23
#27 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Das Brausepulver kenne ich auch noch, aber meist hatten wir kein Geld, um uns dieses zu kaufen. Um Dehydrierung machten wir uns auch keine Gedanken. Draußen tranken wir aus Bächen - das würde heute wohl kaum einer mehr machen. Keiner von uns schleppte eine Flasche zum Trinken mit. Auch nicht bei unseren "Tippelfahrten" mit der Pfadfindersippe. Erst recht nicht Wasservorräte zum Kochen. Das Lager wurde immer in der Nähe eines Baches aufgeschlagen.
Ein altes "Limonadenrezept" von damals war eine Mixtur aus Essig, Zucker, Natron und Wasser. Meist mangelte es jedoch an drei Zutaten :-).
Eine schöne Erinnerung, Anita. Und schön geschrieben.
Brause mit Wodka: Nee, das habe ich niemals probiert. Wir standen bei den Winterlagern auf Grog. Rum ins Maul und heißes Wasser hinterher. Wobei das Wasser ruhig weggelassen werden kann :-).

Anita K-M Offline

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Beiträge: 1.728

15.10.2016 09:49
#28 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Herbstwind

Fassungslos blickte ich in den blauen Himmel und sah wie mein schöner neuer Drachen immer kleiner wurde und schließlich verschwand. Der Wind hatte ihn auf eine Reise ins Ungewisse mitgenommen. Meine Augen füllten sich mit Tränen.

Am Tag zuvor hatten der Vater, mein Bruder und ich am großen Küchentisch zusammen gesessen und Drachen gebaut. Unser Vater hatte die Holzleisten besorgt und zurecht gesägt. Das Drachenpapier mussten wir Kinder im Schreibwarenladen an der Ecke kaufen. Bindfaden hatten wir im Haus. Gemeinsam wurde geleimt, geschnippelt und geklebt. Der Drachen meines Bruders war gelb mit einem roten lachenden Gesicht. Meiner war blau und grinste in den Farben gelb, rot und grün. Es war mein erster (fast) selbstgebauter Drachen!
Nach der Bastelei wurde die Küche pic(c)obello aufgeräumt. Darauf bestand unsere Mutter.
Mein Vater und mein großer Bruder erklärten mir noch wortreich, worauf ich morgen zu achten hätte, denn dann wollten wir die Drachen steigen lassen
Ich konnte vor Aufregung nicht einschlafen und blickte immer wieder an die Wand gegenüber von meinem Bett, an der, im Schein der Straßenlaterne, mein Drachen hing. Er lachte mich an, mit seinen gelben Augen, der grünen Nase und dem roten Mund. Als Schwanz hatte ich acht bunte Papierschleifen angeknüpft. Er war der schönste Drachen der Welt!

Am Sonntagmorgen ging es los! Die Sonne lachte vom Himmel und eine stürmische Brise hatte die dunklen Wolken, die gestern noch schwer über dem Trierer Land hingen, hinweggepustet. Wir fuhren zu einer großen Wiese am Moselufer. Mein Vater nahm meinen Drachen in die Hand und ich rollte die Schnur aus. Ach, was bekam ich alles zu hören. Pass auf dieses auf, denk an jenes, und wenn er dann steigt, lass Schnur ab, aber langsam. Mit dem kurzen Stock, auf dem die Schnur aufgewickelt war, in der Hand rannte ich ein paar Meter vor. Schon hatte der heftige Wind meinen Drachen erfasst und trug ihn unaufhaltsam in die Höhe. Der Drachen meines Bruders tanzte mittlerweile auch am strahlend blauen Himmel.
„Halt gut fest“, ermahnte mich der Vater immer wieder und ich hielt fest. Mit verkrampften Händen stand ich da, stemmte die Füße ins weiche Gras und blickte in den Himmel. Ich war glücklich!
Doch plötzlich ließ der Druck nach und ich fiel um. Was war geschehen? Der Herbstwind hatte an meinem Drachen gerüttelt und die Schnur war gerissen.
Der schönste Drachen der Welt verschwand auf Nimmerwiedersehen. Ich war untröstlich und weinte bitterlich. Auch die Versprechungen, wir würden nächste Woche nochmal einen neuen Drachen basteln, noch schöner und größer, konnten mich nicht aufmuntern. Traurig stand ich da und schaute meinem Bruder zu, dessen gelber Drachen am Himmel tanzte.
Irgendwann hatte ich den Verlust dann doch verschmerzt, aber nie mehr einen Drachen selbst gebastelt.
Heutzutage ist das Angebot an Drachen aus den verschiedensten Materialien, Bastelanleitungen und sämtlichem Zubehör riesengroß. Aber die Kreativität bleibt dadurch auf der Strecke.

Klaus-Dieter Welker Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 1.976

15.10.2016 11:35
#29 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Moin - eine schöne Geschichte. Wir selber haben damals auch Drachen gebastelt und richtiggehende Wettbewerbe ausgetragen. Und noch heute weiß ich, dass ein gut ausbalancierter Drachen das Querholz genau im oberen Drittel haben sollte und dessen Länge nach Möglichkeit ebenso lang sein sollte, wie das Mittelholz. Und der "Schwanz" des Drachens zumindest die 6-fache Länge des Drachens selber haben sollte :-).
Den Schluss würde ich lassen - der Hinweis auf die fehlende Kreativität nimmt den "Geschichtscharakter" ein wenig. Vielleicht solltest du es wieder ein mal selber versuchen, einen Drachen zu basteln. Alleine - oder mit Gören aus deinem Dunstkreis :-).

Jürgen Offline

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Beiträge: 1.899

16.10.2016 10:46
#30 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Eine sehr gute Geschichte. Jeder wird sich daran erinnern, wie das Fluggerät mit viel Liebe und Geduld gebaut wurde.
Heute gehts in einen Drachenladen und so ein Hightech Gerät für viele Euronen erworben.

*******************************
Nach Ebbe folgt immer eine Flut

Anita K-M Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 1.728

20.11.2016 16:45
#31 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Mein Navy und ich

Alle hatten eins und ich dachte, wenn ich so alleine mit dem Auto durch die Lande fahre, wäre es eine sinnvolle Anschaffung.
Ich fragte im Bekanntenkreis nach, welches Gerät denn empfehlenswert sei und meinem technischen Verständnis gerecht wäre. Bald fragte ich nicht mehr, denn die Antworten waren sehr verwirrend und endeten alle in der Bemerkung: „Wie? Du hast noch keins?“
Also beschränkte ich mich auf die Empfehlungen der Stiftung Warentest. Leider war ich mit diesen Informationen auch überfordert, außer, dass ich erkennen konnte, welches Navigationsgerät preislich am günstigsten lag. So studierte ich regelmäßig die Angebote der Anbieter vor Ort und schlug zu.

Da lag es nun stumm und blind vor mir auf dem Küchentisch und ich las die Betriebsanleitung, um zu erfahren, wie ich dieses Gerät wohl zum Leben erwecken könnte. Viel gab der Zettel nicht her, doch er war in 23 Sprachen gedruckt, was mich sehr beeindruckte und mir gleichzeitig auf die Nerven ging. Gott sei Dank, waren die Nationalitätenkennzeichen der einzelnen Länder nach dem Alphabet geordnet und schon nach kurzer Zeit fand ich zwischen CZ für Czech Republic und DK für Denmark, unter DE – Germany, die Erläuterungen in meiner Muttersprache. In knappen Worten und unmöglichen Formulierungen, vermutliche hatte ein Amerikaner den Text aus dem Chinesischen übersetzt, wurde mir mitgeteilt, dass bei Ersatz des Akkus durch einen ungeeigneten Akkutyp Explosionsgefahr bestehe und, dass ich das Gerät an meinen PC anschließe solle. Dann würde ich schon sehen, wo es lang gehe. Gesagt getan. So irrte ich durchs Internet, stolperte über Begriffe, die ich noch nie gehört hatte, drückte Knöpfe und Tasten, bis an meinem Navy das Licht anging. Siehste, dachte ich mir, so doof bin ich doch gar nicht und wischte mir den Schweiß von der Stirn.
Das Menü, das nun auf dem Display erschien, war eine neue Herausforderung. Für Leute, die sich mit einem Navy nicht auskennen, und die gibt es, hier eine kurze Erklärung. Das Menü kann man nicht essen. Es sind die verschiedenen Abbildungen auf dem Display (Bildschirm) unter denen man wählen kann, um z.B. eine Reise, sprich Route, zu planen. Dies war auch mein Bestreben! Um die ganze Angelegenheit etwas netter zu gestalten, haben sich die Navy-Entwickler Personen ausgedacht, die die Ansagen machen. Bei meinem Navy standen in deutscher Sprache zur Wahl: Werner, Yannick und Lisa
Ich entschied mich für Lisa, denn ich lasse mir von einem Mann doch nicht sagen wo es lang geht. Meine erste Fahrt mit Lisa war ein voller Erfolg. Wir fuhren eine mir bekannte Strecke und Lisa machte alles richtig.

Zwei Wochen später trat ich eine Reise an und war mit meinem Navy, das die Straßenkarten von 19 europäischen Länder gespeichert hatte auf der sicheren Seite. Ich fuhr nach Nordhessen. Die ersten Fahrten verliefen hervorragend! Ich kannte mich aus und Lisa auch. Mein Weg führte mich schließlich auf unbekanntes Terrain und das Drama nahm seinen Lauf. Die Autobahnauffahrt, die ich laut Aussage meiner auserwählten Navystimme benutzen sollte, war wegen einer Baustelle gesperrt. Ich fuhr weiter. Lisa war ratlos und forderte mich fortwährend zum Umkehren auf. Ich tat dies auch, weil mir mein Bauchgefühl sagte, dass ich hier vollkommen falsch war. So irrte ich durch Nordhessen, bis Lisa sich neu orientiert hatte. Die Freude währte nur von kurzer Dauer, denn Lisa war mit den gelben Straßenschildern, die am Rand der Fahrbahn aufgestellt waren und durch die ich und der gesamte andere Verkehr umgeleitet wurde, total überfordert. Ich folgte der Beschilderung. Plötzlich meldete sich Werner zu Wort, obwohl ich doch im Menü bestimmt hatte, das er mir nichts zu sagen hat, und erklärte mir nachdrücklich, ich befände mich auf einer gesperrten Straße. Ich hielt an, weil Lisa nun einen Versuch startete meine Route neu zu planen. Dies jedoch missfiel Werner, weil er immer noch steif und fest behauptete, die Straße, auf der ich mich befand, sei gesperrt. In ihren Fähigkeiten, mich in die Irre zu leiten, standen sich Lisa und Werner in nichts nach.
Vollkommen entnervt hielt ich an einer Kreuzung in hessisch Sibirien, hatte Hunger und Durst und erlebte einen fantastischen Sonnenuntergang. Der brachte mir die Erleuchtung. Mein Ziel lag in westlicher Richtung. Also musste ich nur der untergehenden Sonne entgegen fahren, solange sie noch zu sehen war. Dies war meine letzte Chance vor Einbruch der Dunkelheit mein Ziel zu erreichen, um nicht elendig zu verdursten oder zu verhungern. Ich schaltete mein Navy aus und machte Lisa und Werner somit mundtot.

Müde und matt erreichte ich noch am gleichen Abend meine Unterkunft mit dem festen Vorsatz mir umgehend eine Straßenkarte oder am besten gleich einen Autoaltas anzuschaffen.

Anita K-M Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 1.728

04.04.2017 11:22
#32 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

An der Kasse

Mein abschätzender Blick gilt den Waren in den Einkaufwagen der Kunden, die an den fünf Kassen des Supermarkts Schlange stehen. Ich entscheide mich für Kasse 2 und stelle mich hinten an. Die Kundin, die dort gerade ihre Einkäufe aufs Band legt, versucht genervt ihr quengelndes Kind bei Laune zu halten. Hinter ihr steht eine ältere Dame, in deren Wagen nur ein paar Lebensmittel liegen, gefolgt von einem Rentnerehepaar, dessen Wagen auch schwach beladen ist. Dahinter steht ein junger Mann, der ebenfalls nicht viel eingekauft hat und dann komme ich. Höchstwahrscheinlich wird es an Kasse 2 zügig vorangehen. Nix da! Bei der Mutter mit Kind scheint etwas mit der EC-Karte nicht zu stimmen. Es dauert ...
Ich betrachte die Einkäufe des jungen Mannes. Der sollte sich besser mal gesünder ernähren – Chips, ein sehr großes Glas dieser Nuss-Nougat-Creme, die die Fußballer in der Fernsehwerbung immer essen, eine Packung Toast, natürlich kein Vollkorn, und ein paar Dosen Bier. Endlich ist es der Kassiererin gelungen, das Gerät für die Kartenzahlung zu überlisten. Die Mutter hat ihre Einkäufe eingeladen, ihr Kind gebändigt und zieht von dannen. Es geht weiter! Die ältere Dame, die jetzt an der Reihe ist, hat vergessen ihre Bananen abzuwiegen. Flink flitzt die Kassiererin mit den Bananen zur Waage, die hinter den Kassen an der Wand befestigt ist. Das finde ich sehr nett, denn die alte Dame scheint nicht gut zu Fuß. Am Griff ihres Einkaufswagens baumelt ein Gehstock. Sie sieht wohl auch nicht gut, denn die Kassiererin sucht aus dem hingehaltenem Portemonnaie das Kleingeld heraus. Es dauert ...
Neiderfüllt schiele zu der Schlange an Kasse 1. Dort scheint es schneller voran zu gehen. Das Rentnerehepaar hat mittlerweile seine Einkäufe aufs Band gelegt. Der ältere Herr beobachtet mit Argusaugen, wie die Kassiererin Teil für Teil einscannt, während die Gattin die Waren sorgfältig wieder in den Einkaufswagen sortiert. Dann entbrennt eine heftige Diskussion, weil das Sonderangebot für die Tütensuppen erst ab fünf Suppen greift. Das Paar hat sich wohl verzählt und statt zehn Packungen nur neun gekauft. Der Sonderpreis gilt daher nur für fünf Süppchen, für die restlichen vier muss der reguläre Preis entrichtet werden. „Dann zahlen Sie doch erst mal die fünf Suppen. Ich lege die übrigen vier zur Seite und Sie können sich noch eine Tüte hole“, lautet der Vorschlag der Kassiererin. Es wird verhandelt und es dauert ...
Mir ist das jetzt alles zu blöd. Die mit ihren dämlichen Suppen! Ich wechsele zu Kasse 3 und stelle mich an. Die Kundin, die jetzt an Kasse 3 vor mir steht, hat wohl den monatlichen Großeinkauf getätigt. Ne, ne, ne, und was die alles für einen Mist eingekauft hat … Ich schiele zu Kasse 2. Das Tütensuppenproblem scheint gelöst. Sollte ich mich nicht doch besser wieder an Kasse 2 anstellen? Zu spät! Ein Schild leuchtet auf: Kasse schließt
Wie sieht's denn an Kasse 4 aus? Wäre es nicht von Vorteil nochmal zu wechseln? Ne, dann müsste ich mich wieder hinten anstellen und ich bin doch schon ins Mittelfeld vorgerückt. Die Frau mit dem Großeinkauf hat drei Küchentücher eingekauft, reduzierte Ware, und das Preisschild ist abhanden gekommen. „Die kosten nur 1€. Das weiß ich ganz genau!“, behauptet sie mit aller Entschiedenheit. „Das glaube ich Ihnen ja. Ich brauche aber eine Nummer zum Einscannen“, antwortet die Kassiererin besänftigend, greift zum Telefon und nickt mir freundlich zu. „Es geht gleich weiter.“
„Elf für Kasse 2 bitte“, tönt es durch den Supermarkt. Es dauert …
Ich glaube, ich werde wahnsinnig. Endlich, endlich, bin ich an der Reihe, bezahle meine vier Teile und sage: „Heute hatte ich aber Pech. Ich stand immer an der Kasse, an der es Verzögerungen gab.“
„Ach, die paar Teile hätten Sie auch an der Information bezahlen können. Da geht es immer ganz schnell. Ein schönen Abend noch, und Tschüss.“

Anita K-M Offline

Forengott / Forengöttin


Beiträge: 1.728

17.06.2017 10:17
#33 RE: Die Seniorenzeitung Zitat · antworten

Alles englisch!

„Hallo, Oma! Was machst du denn in der Stadt?“
„Hallo, mein Junge! Ich war zur Fußpflege und wollte jetzt nach Hause.“
„Oma, dann lass uns doch 'nen Kaffee trinken. Ich hab grad ein bisschen Zeit.“
„Ach, Junge, dass du mal Zeit für deine alte Oma hast. Ich lad dich natürlich ein. Ihr Studenten seid ja immer ein bisschen knapp bei Kasse.“
„Danke, Oma.“

Die beiden gehen ins nächste Café.

„Wie ist denn deine neue Wohnung und wie läuft's an der Uni?“
„Wohnung ist super! Jeder hat ein großes Zimmer und wir haben 'nen coolen Balkon.“
„Oh, das ist praktisch. Da kannst du schön die Wäsche trocknen.“
„Mmh, ja. Kannst aber auch super chilllen.“
„Is wahr? Ist das denn nicht zu laut, wegen der Nachbarn?“
„Nee, Oma, chillen is nix lautes. Das is so was wie abhängen.“
„Ja, ja, die Wäsche müsst ihr dann schon abhängen, sonst habt ihr ja keinen Platz. Wie sind denn die anderen, mit denen du zusammenwohnst? Sind die denn nett und sauber?“
„Wir sind nur Jungs und verstehen uns prima. Alles easy, Oma.“
„Stell ich mir schwierig vor, wenn da nur eine Frau dabei ist. Ist für die Isy sicher nicht so einfach mit lauter Kerlen.“
Oma lacht.
„Ne, Oma, das hast du falsch verstanden. Wir sind wirklich nur Jungs.“
„Ach so? Und an der Uni? Kommst du denn da zurecht und kannst du denn da auch ordentlich zu Mittag essen?“
„Mmh, die Leute sind ganz hip. Das passt schon.“
„Na, ich weiß nicht? Ich halte ja von diesem Gläschenzeugs gar nichts. Deine Mutter hat das auch nicht gekauft, als du noch klein warst. Lieber richtig gekocht, Kartoffeln, Möhren, ein bisschen Butter dazu und dann püriert.“
„Oma, was denn für Gläschenzeugs?“
„Na, HIPP heißt doch die Firma, die diese Babynahrung herstellt.“
„Ne, Oma, das hast du falsch verstanden. Hip heißt, dass die Leute voll cool sind.“
„Ach, Junge, kannst du nicht deutsch mit mir reden?“
„Hast recht Oma, sorry! Jetzt muss ich aber los.“
„Ich auch, mein Junge. Der Bus kommt gleich.“

Oma und Enkel verlassen das Café.

„Also der Kaffee hier war richtig gut. Der Kaffee, den ich zu Hause trinke, kommt aus Südamerika. Ich wusste gar nicht, das dieser afrikanische so gut schmeckt.“
„Also Oma, woher weißt du denn, dass der aus Afrika kommt?“
„Da steht's doch: Kaffee-TOGO. Togo liegt doch in Afrika, oder etwa nicht?“

Anita Koschorrek-Müller, Trier

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Erstellt im Forum Koschorrek-Müller, Anita von Anita K-M
0 05.04.2014 08:07
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