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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 110 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten
Petrusautor Offline

Admin


Beiträge: 9.284

23.12.2016 11:49
Weihnachtsgeschichte 2016 - Der fliegende Leuchtturm Zitat · antworten

Der fliegende Leuchtturm

Von Claus Beese

Es war damals, ich erinnere mich noch genau an das Jahr, als etwas geschah, was noch niemals zuvor geschehen ist, und, beim Barte des Weihnachtsmannes, hoffentlich nie wieder passieren wird. Der Weihnachtsmann hatte Verspätung!
Doch wenn ich euch die Geschichte erzähle, fange ich lieber ganz von vorne an. Ich bin Ole Olesson, der Leuchtturmwärter auf dem winzigen Eiland draußen vor der Küste. Meine Aufgabe ist es, den Schiffen mit meinem Leuchtfeuer den Weg durch die gefährlichen Untiefen zu weisen, die von der Strömung des Meeres als Sandbänke aufgeschichtet, schon manchem Frachter zum Verhängnis wurden. Vor ein paar Stunden hat die „Nixe“ abgelegt, ist auf Heimatkurs gegangen und wieder im dichten Schneetreiben verschwunden. Die Jungs hatten es schon nicht leicht, den Weg durch den dichten Flockenwirbel zu finden. Aber irgendwann stieß die „Nixe“ mit ihrer Nase, oder besser gesagt: Bug fast gegen die Felseninsel. Der Wind sorgte für einen gehörigen Tanz auf dem Meer, doch die Besatzung des kleinen Versorgungsbootes setzte alles daran, mir den lütten Weihnachtsbaum zu überbringen, der mir das Weihnachtsfest wenigstens ein bisschen heimelig machen sollte. Weihnachtsgrüße von daheim, der Familie und den Freunden, ein paar Geschenke, und natürlich die Weihnachtsgans, die so groß war, dass ich noch zu Silvester an ihr zu knabbern haben würde.
Über mir drehte sich im Turm das Räderwerk des Rundumlichtes, und der Turm schickte seine Blinksignale im vorgegebenen Rhythmus in den Schneesturm hinaus. Man konnte die Hand kaum vor Augen sehen, und ich war froh, hier auf meinem kleinen Inselchen keinen Schnee fegen zu müssen. Es gab hier nur sehr wenig Verkehr und fast gar keine Fußgänger, denn außer mir war hier niemand. Also saß ich vor dem Radio und hörte die Weihnachtsgrüße, die der Norddeutsche Rundfunk zusammen mit der Küstenfunkstelle Norddeich Radio in den Äther schickte. Aus aller Welt kamen von den Schiffen die Grüße an die Lieben daheim oder wurden Grüße an die Matrosen geschickt, die irgendwo auf allen Weltmeeren unterwegs waren.

Da rumste es! – Es rumste sogar gehörig, dann hörte ich ein Poltern, das den ganzen Turm hinunterlief. Ich griff mein wasserfestes Ölzeug und warf es mir über, sprang in die Stiefel und rannte die steile Treppe hinab, so schnell es eben ging. Ich öffnete die Eingangsluke und wurde beinahe von einem riesigen roten Mantel überrollt, in dem ein großer bärtiger Mann steckte. „Donner und Doria!“, wetterte der Weißbart und betastete seine Glieder. „Noch mal gut gegangen, alles noch dran!“
Dann schaute er mich an. „Musstest du denn auch deinen Leuchtturm genau hierhin bauen?“
ich war verwirrt. Wohin denn sonst, wenn nicht genau hier hin? Draußen auf dem Meer oder im Binnenland auf einem Berg im Harz hätte er niemandem genützt.
„Rudolf Rotnase ist seine rote Nasenbirne durchgebrannt, die uns immer den rechten Weg geleuchtet hat“, brummte der Mann und mir kam ein leiser Verdacht, wer mein merkwürdiger Besucher sein könnte. Leider konnte ich ihm nicht mit einer Ersatzbirne für sein Leitrentier dienen, aber als wir aus dem Turm traten, half ich ihm, seinen Schlitten wieder aufzurichten, mit dem er kräftig am Leuchtturm angestoßen war. Die Beulen am Schlitten waren nicht schön, aber man würde das schon wieder glatt bekommen. Hauptsache, ihm und den Rentieren war nichts passiert. Scheinbar hatte er das rote Sektorenfeuer des Turms für das Leitlicht des Rentiers gehalten und war so vom Weg abgekommen.
Mir gefiel nicht sein Blick, mit dem er mich und meinen Leuchtturm betrachtete. „Ich brauche Licht, um den Weg durch die Nacht zu den Kindern zu finden“, überlegte er laut. „Und du hast Licht, Ole Olesson. Ich muss nur deinen Leuchtturm vorne auf die Zugstange montieren, dann könnte es weitergehen.“
Der Mann hatte Humor. Wie sollte das denn gehen, diesen riesigen Turm auf die vergleichsweise winzige Zugstange des Schlittens montieren? Der Weihnachtsmann, denn um diesen handelte es sich, bewegte seinen Zeigefinger im Kreis um den Turm und plötzlich schrumpfte das Bauwerk auf Spielzeuggröße. Wir montierten es tatsächlich ganz vorn auf der Zugstange des Schlittens, und die Rentiere schnaubten freudig, als der Leuchtturmwinzling sein Licht weit nach vorne in das Schneegestöber der Heiligen Nacht warf. „Einsteigen“, kommandierte der Weihnachtsmann und schob mich auf die Sitzbank im Schlitten. Ich klammerte mich fest, und eine abenteuerliche Reise durch die winterweiße Nacht begann.
Nach einer ganzen Weile merkten wir, dass wir kreuz und quer über Nordsee und Atlantik flogen, aber merkwürdigerweise auf kein Land trafen. Wir hatten uns hoffnungslos verirrt.
„Wenn wir den Weg nicht bald finden, bekommen die Kinder auf der ganzen Welt ihre Gaben viel zu spät. Ein Weihnachtsmann, der erst zu Silvester die Geschenke bringt, das hat es noch nie gegeben!“

„Wir fliegen offensichtlich im Kreis“, bemerkte ich, als ich unter uns meine kleine Leuchtturminsel sah. Natürlich, das Uhrwerk im Turm lief ja noch und der Lichtkegel wanderte mal hier, mal dort hin und brachte so die Rentiere völlig aus der Bahn. Ich musste hinein und den Mechanismus abstellen, damit das Leuchtfeuer genau geradeaus schien. Es war ein merkwürdiges Gefühl, als ich schrumpfte und der Rauschebart mich wie ein Riese vorsichtig mit zwei Fingern nahm und mich auf die Galerie des Turmes setzte. Nur wenig später war die Arbeit erledigt, ich hatte die Drehbewegung gestoppt und das Licht schien nur noch nach vorn, weit hinaus in die Nacht.
Ich gebe zu, mir wurde schwindelig bei dem Tempo, das der Weihnachtsmann nun vorlegte. Die Welt jagte an uns vorüber und mir war nicht wohl. Helfen konnte ich ihm nicht mehr, und so legte ich mich in meine Koje und schlief ein. Als ich erwachte, war es bereits heller Morgen und ich fragte mich, ob wir über Afrika oder vielleicht China kreisten. Ich ging nach oben in den Lampenraum und betrat die Galerie, die um den Turm führte. Nein, ich war zusammen mit meinem Turm wieder auf meiner Leuchtturminsel. Das Licht war erloschen und der Drehmechanismus abgelaufen. Weit draußen zogen die Schiffe im hellen Tageslicht an meinem Turm vorbei auf ihrem Weg hinaus in die Welt und nichts schien sich irgendwie verändert zu haben.
Ein Traum, ich war eingeschlafen und hatte geträumt. Sicher. Und was für einen herrlichen Blödsinn! Ich lachte. Ich, Ole Olesson, Helfer des Weihnachtsmannes. Köstlich. Da musste man erst einmal drauf kommen.

Ich erschrak, denn ich dachte an die Weihnachtsgans in der Bratröhre. Sie musste inzwischen komplett verkohlt sein, doch als ich den Wohnraum betrat, stutzte ich. Die Kerzen an der kleinen Weihnachtstanne brannten, der Tisch war gedeckt, die gegarte Gans duftete herrlich und Kartoffeln und Rotkohl dampften vor sich hin. Bei den Geschenken stand etwas, das ich beim Ausladen aus dem Versorgungsboot nicht gesehen hatte. Eine wunderbare Angelrute, an der ein Zettel hing: „Herzlichen Dank für deine Hilfe, durch die alle Kinder ihre Weihnachtsgaben pünktlich erhalten haben. Hier noch ein kleines Geschenk gegen deine Langeweile auf dem Turm. Fröhliche Weihnachten und Petri Heil - Santa Claus.“

-------------------------------
Allen eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken.
Petrusautor Claus

Anneke Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 178

23.12.2016 22:34
#2 RE: Weihnachtsgeschichte 2016 - Der fliegende Leuchtturm Zitat · antworten

hab ich ja schon woanders erwähnt - echt gelungen!

LG
Anneke

Klaus-Dieter Welker Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 2.003

30.12.2016 07:55
#3 RE: Weihnachtsgeschichte 2016 - Der fliegende Leuchtturm Zitat · antworten

Eine gute Geschichte und schön geschrieben.

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