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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 114 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten
Anneke Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 178

23.12.2016 22:36
Weihnachtsgeschichte 2016 - Sofie und der Bus Zitat · antworten

Sofie und der Bus

Sofie fährt nicht mehr mit, aber trotzdem hat sie nun ein Problem mit dem Bus. Seit einiger Zeit lebt sie in einem Seniorenheim. Dort herrscht meist Stille. Das Personal ist sehr freundlich, hat aber leider wenig Zeit. Die Gegend rund ums Haus: wunderschön, viel Grün, hohe Bäume, ein gepflegter Park. Mehrfach in der Woche wird Sofie mit ihrem Rollstuhl bei schönem Wetter für eine halbe Stunde dort lang gefahren, dafür haben ihre Kinder jemanden engagiert. Dann hört sie auch mal Vögel zwitschern.

Es ist ruhig im Heim. Zu ruhig. Sofie langweilt sich und hadert mit ihrem Schicksal. Fernsehen und Radio waren noch nie ihr Ding, und jetzt ist das mit dem Gehör auch nicht mehr so. Daher kann sie leider nicht mehr telefonieren. Die Beschäftigungsangebote im Heim sind spärlich und interessieren sie meistens nicht. Ihre Kinder sind berufstätig und wohnen weit weg, so oft können die nicht kommen. Aber ihre Schwester und ihre Freundin besuchen sie recht häufig - nur gehen diese wenigen Stunden immer viel zu schnell vorbei. Aber sie sind der einzige Lichtblick für Sofie.

Die Besucher, die auch nicht mehr so jung sind, nehmen einiges auf sich, um zu Sofie zu kommen. Sie müssen mehrfach umsteigen, der Bus hält verhältnismäßig weit weg und sie müssen noch eine Viertelstunde laufen, bis sie überhaupt am Heim ankommen. Dann setzten sie sich zu Sofie, trinken Kaffee, unterhalten sich, um sich nach zwei Stunden wieder auf den doch etwas beschwerlichen Rückweg zu machen, damit sie den letzten Bus zurück erreichen.

Aber auf einmal, so kurz vor Weihnachten, kommen sie nicht mehr. Ihre Schwester nicht, ihre Freundin nicht - Sofie wartet, sie versteht das nicht.

Ihre Kinder erklären es ihr dann - der Bus fährt nicht mehr. Darum können ihre Schwester und ihre Freundin sie nicht mehr besuchen, denn die haben kein Auto und Geld fürs Taxi auch nicht. Vormittags in der Woche könnten sie wohl noch kommen, aber das passt weder ihnen noch Sofie, die sich immer so auf das gemütliche Kaffeestündchen in vertrauter Runde gefreut hat. Nachmittags kommt zwar noch ein Ersatzbus an, der fährt aber eine halbe Stunde später schon wieder zurück. Da würde die Zwischenzeit nur knapp für den Fußweg zum Heim reichen.

Beim Mittagessen weint ihre Tischnachbarin Wilma still vor sich hin. Auch deren Kränzchenfreundinnen, die sonst alle zwei Wochen einmal angefahren kamen, können nun nicht mehr kommen. Wilma hat keine Kinder und keine nahen Verwandten mehr. Wilma weint seit Tagen, sie hängt sehr an ihrer Freundinnen, die noch recht rüstig sind und ihr immer viel von der Welt "draußen" erzählen. Sie hat große Angst, dass sie sich nie wiedersehen werden.

Und auch Hermann sitzt am Tisch und mag nichts essen. Er lebt im Heim, weil das zuhause mit der Pflege nicht mehr klappte. Seine Frau kam bisher fast an jedem Nachmittag angefahren und dann war es doch noch ein wenig so wie früher, als sie beide immer zusammen waren. Er weiß, dass seine Frau jetzt auch traurig zu hause sitzt.

Nun kommt Weihnachten - für Wilma wird es gar nicht schön werden, und auch Sofie wird das Auspacken der kleinen Geschenke vermissen, die sie und ihre Bekannten sich zu Weihnachten machten. Sofie hatte ihre Tochter beauftragt, gewisse Kleinigkeiten zu kaufen - die stehen nun schön Verpackt auf ihrem Tisch - sie werden ihre Empfänger so schnell nicht erreichen - wenn überhaupt. Hermann wird still in seinem Zimmer sitzen und an seine Frau denken. Er wird auch mit ihr telefonieren - aber das ist doch etwas anderes als wenn sie seine Hand hält.

Sofie seufzt und blickt von Wilma zu Hermann, die nicht mehr lächeln, nur noch stumpf vor sich hinbrüten. Und Sofie wird klar, dass sie nicht die einzigen sind, die in den Heimen auf Besuch warten. Sie alle hoffen auf ein Weihnachtswunder.

„Lieber Weihnachtsmann“, flüstert Sofie, „ich habe mit sechs Jahren aufgehört an dich zu glauben. Aber wenn es dich irgendwo da draußen gibt, dich oder das Christkind, so bitte ich euch beide, einigen Menschen auf dieser Welt ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk zu machen. Schenk den Senatoren in Bremen, die die Buslinie abgeschafft haben, das Einsehen, dass ihr Beschluss falsch war. Diese Menschen verdienen gut, haben ein Auto und können sich auch problemlos Taxifahrten leisten - sicher können sie sich gar nicht vorstellen, wie so ein Tag im Seniorenheim abläuft - wie die Woche abläuft und der ganze dunkle Winter, wenn man einsam ist. Vielleicht brächte ein wenig mehr Menschlichkeit diese Leute zum Nachdenken und sie geben mir, Wilma, Hermann und all den anderen, die die Heime nicht mehr verlassen können, die Buslinie ganz schnell zurück. Danke, lieber Weihnachtsmann!“

(Ganz auf die Schnelle und mit tatkräftiger Hilfe von Claus fertig geworden - danke nochmal!)

LG
Anneke

Klaus-Dieter Welker Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 2.003

30.12.2016 07:58
#2 RE: Weihnachtsgeschichte 2016 - Sofie und der Bus Zitat · antworten

Ein gutes Thema, und leider zu oft wahr. Aber die Geschichte selber ist mir - sorry - ein wenig zu "trocken" - geraten, eher wie ein Zeitungsartikel...

Anneke Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 178

11.01.2017 01:44
#3 RE: Weihnachtsgeschichte 2016 - Sofie und der Bus Zitat · antworten

Danke für die Einschätzung KDW, stimmt auch - ich bin ja nun auch mal Presseschreiberin und das kommt da schon durch, zumal ich zu dem Thema gefühlte 100 Artikel geschrieben habe [zunge]

LG
Anneke

Klaus-Dieter Welker Offline

Forengott / Forengöttin

Beiträge: 2.003

11.01.2017 08:41
#4 RE: Weihnachtsgeschichte 2016 - Sofie und der Bus Zitat · antworten

Wirf die "Presseschreiberin" auch beim "Presse schreiben" ruhig mal über Bord. Das macht mehr Spaß und - davon bin ich überzeugt - lockt mehr Leser dazu, einen Artikel auch zu Ende zu lesen.
Ich habe es früher gemerkt, als ich mir "Führungen" im Mausoleum mit einem Hobbyhistoriker geteilt habe. Der Knabe war so furztrocken, dass so ungefähr ein Viertel der Besucher nach seinen Vorträgen ins Koma fiel. Der Rest hatte einfach abgeschaltet, sich in der Nase gebohrt oder der Nachbarin in den Ausschnitt geschielt, um die Zeit einigermaßen nutzbringend rumzukriegen.
Seit 10 Jahren mache ich es ausschließlich alleine und die Zahl der Komatösen ist auf Null gefallen. Und der Einzige, der in die Ausschnitte schielt, bin ich. Das ist mein Vorrecht als Hausherr.
Ich rede frei von der Leber weg, ohne Netz oder doppelten Boden. Schietegal, ob eine Jahreszahl mal nicht so ganz hinhaut - es fällt eh keinem auf. Ich halte dort keine Vorträge, ich erzähle Geschichte und Geschichten. Und es freut mich, wenn meine Gäste auch mal lachen, was ansonsten auf einem Friedhof nicht all zu oft vorkommt.
Es gibt Gruppen, die eigentlich mehr sehen als hören wollten. Da kann ich außer mir nicht allzu viel bieten. Klar, das Mausoleum ist eine Augenweide, aber kein Stundenprogramm. Trotzdem bleiben sie nicht nur aus Höflichkeit - oder weil ich die Tore vorsorglich abschließe - bis zum Schluss, und hören mir zu. Sie bleiben, weil sie merken, dass sie Geschichten lieben, wenn sie gut erzählt werden. Und so werden dann aus Geschichten wirklich Geschichte, die ihnen eine Weile im Schädel haften bleibt.

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